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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 258

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 258)
Language
German
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135 dass eine solche Ausdehnung des Königtums des Herodes mit den römischen Interessen unvereinbar war, und darum ist nicht zu bezweifeln, dass die Sorge für die Wohlfahrt ihres Reiches sie es wiederholt aussprechen liess, dass in der Gründung der erstrebten neuen Residenz und der ungewöhnlichen Förderung griechischer Angelegenheiten der Plan zu erblicken sei, sich mindestens des griechischen Orients zu bemächtigen. Der Hofhistoriograph des Herodes, Nikolaus von Damaskus, der die Quelle des Josephus hier ist, bedient sich des Ausdrucks d 3s Argwohns, um daraus ein schmeichelhaftes Kaiserwort für seinen Helden zu gewinnen. Aus diesem Missmut des Augustus über Herodes, der immerhin nur auf Vermutungen beruht und kein weiteres Einschreiten gestattet, erklärt sich auch das Zerwürfnis des Augustus mit Herodes auf die Anklage des Arabers Syllaeus hin, wovon Josephus A. XVI, 9 ausführlich berichtet. Hier können wir keine eigentliche Schuld des Herodes finden, dessen Vorgehen nur die Beruhigung des ihm von Augustus verliehenen Land- Strichs Trachonitis bezweckt und von zwei römischen Feldherrn in Syrien zum teil gestattet, zum teil nachträglich gebilligt war. In höchstem Grade auffallend ist auch in dieser ganzen Angelegenheit das Benehmen des Augustus, der sonst eitel Freundschaft für Herodes ist, von dem man sogar in Rom gesagt haben soll, dass im ganzen Reiche nach Agrippa keiner dem Augustus näher stehe als Herodes. Augustus will die Verteidigung der Freunde des Herodes gegenüber der Anklage des Syllaeus gar nicht hören, schreibt ״im höchsten Groll an Herodes einen in bitteren Worten abgefassten Brief, dessen Hauptinhalt der war, dass er ihn, statt wie bisher als Freund, nunmehr als Untertanen behandeln werde“, nimmt die wiederholten Gesandtschaften des Herodes nicht an, schickt ihm Geschenke zurück, bis es endlich der Geschicklichkeit des Nikolaus gelingt, wieder eine Versöhnung herbeizuführen. Es ist kaum ein Zweifel, dass hier die Annahme der Klage des Syllaeus nur einen Vorwand bildet, um den Herodes ins Glied zurückzuverweisen und ihm durch Verabreichung eines kalten Wasserstrahls unzweideutig zu verstehen zu geben, dass die grossen Unternehmungen nicht nach dem Sinne des Kaisers seien und nicht geduldet würden.

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