Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 257)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486273--1383-3487745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 mussten denen der Griechen nachstehen. Man weiss, wie durch diese Umstände die Konflikte heraufbeschworen wurden, die zu dem Aufstand gegen die Römerherrschaft und zur Zerstörung des Tempels führten. Die Kenntnis der Tatsache, dass von Anfang an Cäsarea, an dessen Stelle nach Josephus’Bericht früher nie Juden gewohnt hatten, gegründet wurde, um Jerusalem seinen politischen Rang und seine Ebrenstellung bei den fremden Völkern zu nehmen, und der Umstand wieder, dass die Verlegung des Regierungs• sitzes von Jerusalem nach Cäsarea eine Ursache der Zerstörung Jerusalems wurde, lassen uns die bekannten ernsten Worte unserer Weisen (Megila 6a) in dem ganzen Umfang ihrer weitreichenden Bedeutung verstehen : ״Cäsarea und Jerusalem. Wenn dir jemand sagt, beide liegen in Trümmern, so glaube es nicht. Heisst es dagegen, Cäsarea liegt in Trümmern und Jerusalem ist bewohnt oder Jerusalem liegt in Trümmern und Cäsarea ist bewohnt, so glaube es. Es heisst: ״Ich fülle die Zerstörte“, d. 11. wenn die eine (von Einwohnern) gefüllt ist, so liegt die andere in Trümmern, liegt die eine in Trümmern, wird die andere gefüllt/‘ III. Herodes konnte sein Ziel nicht erreichen, seine Residenz musste Jerusalem bleiben. Augustus und Agrippa besassen genug staatsmännische Klugheit, um, ungeachtet seiner aufdringliehen Schmeicheleien, den Plan nicht zu durchschauen. Nichts nützte es dem Herodes, dass er die neue Stadt nach dem Cäsar nannte, dass er demselben dort einen Tempel errichten liess und selbst die Spiele mit ihm in Verbindung brachte, die Machthaber in Rom zogen es vor, ihn in der alten Hauptstadt der Juden, als in der neuen Cäsarstadt auf griechischem Gebiet zu wissen. Die Erinnerung an den Argwohn des Octavian und seines ersten Ratgebers findet sich, in freilich entstellter Form, bei Josephus gleich nach der Schilderung der auffallend prächtigen Einweihungsfeier von Cäsarea. (XVr, 5). ״Man sagt, der Cäsar selbst und Agrippa hätten zu wiederholten Malen bemerkt, des Herodes Reich sei für die Grösse seines Strebens (rfjg 0vortg iv aimp luyaloipvxiag) zu klein, er sei würdig, auch die Herrschaft über ganz Syrien und Aegypten zu haben.“ Es ist klar,