Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 254)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486273--1380-3487742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
131 Herodes selbst, so jetzt, wenn auch nur auf kurze Zeit, den Archelaus durch eine mit dem Gift des Judenhasses durchtränkte Verteidigungsrede. ״Dann warf er ihnen vor, dass sie ihr Vergntigen an Neuerungen und Erregung von Aufständen hätten und dass sie nicht verständen, Gerechtigkeit zu üben und den Gesetzen zu gehorchen, sondern überall vorgezogen und Recht haben wollten. So sprach Nikolaus.“ In den Augen des Nikolaus, des griechischen Ratgebers des Herodes, sind die Juden schon in dem Masse zur Sklavenrolle verurteilt, dass es ihm für Ueberhebung gilt, als unbilliges Verlangen erscheint, wenn sie sich der Willkür ihres Herrn nicht beugen. Archelaus wurde als Tetrarch anerkannt, doch nach wenigen Jabren schon war seine Misswirtschaft selbst dem Augustus unerträglich. Der abgesetzte Tetrarch würde in die Verbannung geschickt, sein Land wurde der Provinz Syrien einverleibt und römische Landpfleger besorgten die Geschäfte des Herodes. Als die Gesandtschaft der Fünfzig von Augustus die Verwaltung des Landes durch einen römischen Beamten erbat, da dachte sie sich den Sitz des Landpflegers in Jerusalem und glaubte ein Regiment zu erhalten, das wohl nicht frei bleiben würde von den unvermeidliehen Erpressungen römischer Provinzialbeamten, das aber im grossen und ganzen um das Wohl der jüdischen Bevölkerung besorgt wäre. Sie hatten ihre Rechnung ohne den Schatten des Herodes gemacht. Mit ganz besonderer Pracht hatte Herodes an Stelle des ehemaligen Stratonsturms eine Hafenstadt gebaut, die er in verschwenderischer Weise mit allem ausgestattet, was nur eine Grossstadt der damaligen Zeit zur Förderung des Handels und für die Wohlfahrt und Vergnügungssucht ihrer Einwohner erforderte. Zehn Jahre wurde daran gebaut und ihr dem römischen Princeps zu Ehren der Name Caesarea gegeben. Durch märchenhafte Feste wurde die Erbauung dieser Stadt gefeiert unter dem Zustrom einer ganz gewaltigen Menge und in Gegenwart von Gesandtschaften der einzelnen Völkerschäften, die sich Herodes durch Wohltaten zu Dank verpflichtet hatte. Der Aufwand bei der Gründung und die Feste nach Vollendung dieser Stadt, die in jeglicher Hinsicht alles übertreffen, was Herodes für die anderen griechischen Städte seines Reiches getan hat, lassen erkennen, dass Herodes ge-