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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1906-01-01 · IV. 1906 - 5667 (1906) · page 250

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
IV. 1906 - 5667 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 250)
Language
German
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127 Aus den Berichten des Josephus über die Taten des Herodes lassen sich seine beiden Antworten auf die Frage, woher der Widerspruch in dem Charakter seines Helden stamme, leicht ergänzen. Die Theorie der Doppelseele dahin, dass die gute Seele sich den Griechen und Heiden zuwandte, während die böse Seele das Judenvolk schwer bedrückte. Auch der Ehrgeiz suchte nicht Befriedigung in Grosstaten für das Volk und mit dem Volk, von dem er den Titel seines Königtums hatte, seiner Ruhmsucht fröhnte er nur durch Bevorzugung und Förderung fremder Völker und die Mittel, um andere fördern und bevorzugen zu können, erpresste er grausam und hart dem jüdischen Volk. An drei Stellen in den Altertümern des Josephus wird ausdriicklich gesagt, dass Herodes den Griechen hold, den Juden unhold war. Das erste Wort darüber entschlüpft dem Josephus und wohl auch schon dem Lobredner und Freund des Herodes, dem Nikolaus von Damaskus, XV, 10, 3 da, wo von den Beschwerden der Einwohner von Gadara die Rede ist, und deren Mut zur Anklage bei Augustus damit begründet wird, dass Herodes ihre ihm von Agrippa gefesselt übergebenen Mitbürger freigelassen habe. Bei der Begründung dieser Freilassung vergessen sich seine Biographen und lassen folgende Bemerkung mit unterlaufen: ״Denn Herodes, der gegen die Seinigen bei Verfehlungen mit unerbittlicher Strenge einschritt, war leicht geneigt, die Uebeltaten von Fremden grossmütig zu verzeihen.“ Mit den Fremden kann hier niemand anders gemeint sein, als die Griechen. Denn die Leute von Gadara waren zur Zeit dieses Vorfalls, im Jahre 17 v. d. g. Z., schon 13 Jahre lang seine Untertanen. Im Jahre 30 war Gadara von Augustus mit anderen Städten dem Reiche des Herodes hinzugefügt worden, nachdem es unter Alexander Jannai schon einmal unter jüdische Herrschaft gekommen war. Mit rote otxsfot-g sind die Juden gemeint, die sich von Herodes eine unerbittlich strenge Behändlung gefallen lassen mussten, während die fttkorgiot, die Griechen, auch wenn sie des Tyrannen Untertanen waren, auf grossmütige Verzeihung hoffen durften. XIX, 7, 3 heisst es beim Lobe Agrippas T : ״Der König war von Natur höchst freigebig und wohltätig und suchte sich die Liebe seiner Untertanen durch reiche Geschenke zu erwerben.

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