Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 249)
- Language
- German
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12B Altertümern XVT, 5, 4 nach der Schilderung der prunkvollen Feier der Erbauung von Caesarea und der fürstlichen Geschenke, dieHerodes allenthalben den Griechen und Syrern gemacht hat, lässt Josepbus sich darüber folgendermassen aus. ״Man muss sich nun wohl darüber wundern, dass bei Herodes so verschiedene Eigenschaften in einem und demselben Charakter vereinigt waren. Wenn man nämlich die Freigebigkeit und Wohltätigkeit in Erwägung zieht, die er allen Menschen gegenüber bewies, so kann auch selbst der, welcher nicht besonders auf ihn zu sprechen ist, nicht leugnen, dass er von Natur überaus gutherzig war. Betrachtet man dann aber die Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit, womit er seine Umgebung und seine nächsten Verwandten behandelt, und bedenkt man die Härte und Unbeugsamkeit seines Gemüts, so muss man allerdings gestehen, dass er ein allem menschlichen Empfinden abgeneigtes Ungeheuer war. Daher sind die meisten der Ansicht, er habe mit sich selbst in Widerspruch und Zwiespalt gelebt. Ich dagegen glaube, dass die beiden so grundverschiedenen Richtungen seines Charakters auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen sind. Da er nämlich sehr ehrgeizig und dieser Leidenschaft ganz ergeben war, neigte er zu prunksüchtiger Freigebigkeit, sobald er hoffen konnte, augenblickliche Anerkennung oder besonderen Nachruhm zu finden. Weil aber seine Ausgaben ihm schliesslich über den Kopf wuchsen, war er genötigt, gegen seine Untertanen hart und grausam aufzutreten. Denn, was er den einen mit vollen Händen zuteilte, musste er von anderen wieder erpressen.“ Die Worte des Josephus klären uns, selbst wenn wir die gewundenen weiteren Ausführungen, die nun folgen, hinzunehmen, lange nicht über die zwei Triebe in der einen Brust des Tyrannen auf, und eine befriedigende Lösung dieser Frage ist unseres Erachtens bisher nicht gefunden worden. IsaacHalevy, dem wir in diesen unseren Ausführungen folgen, war es vergönnt, auch hier bis auf den Grund zu blicken, um uns am Eingang des jüngst erschienenen Bandes seiner historisch-kritischen Untersuchungen die unstreitig richtige Lösung des Rätsels zu bieten, und durch diese Lösung das jüdische Volk von der Sphinx Herodes, die man bisher mehr oder weniger als ihm zugehörig betrachten wollte, völlig zu befreien,