Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
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77 nennenswert. Der Arbeiter tritt in den Hintergrund vor seiner Arbeit, der Meister verschwindet hinter seinem Werke. Der Name des Letzteren gibt auch dem Verfasser, zuweilen auch seiner Familie die Benennung. Bei BIOS sind die einzelnen Etappen seines Werdens genau zu unterscheiden. Die Lehrjahre in den böhmischen Schulen, die slavischen Worterklärungen, die Gebräuche des Landes Kanaan — wie er Böhmen nennt —, die Wanderjahre in den Rheinlanden, die angeführten Stellen aus den Schriften seiner deutschen Lehrer, der Aufenthalt in der Hochschule R. Juda Sir Leon's, von welchen! die vielen Excerpte aus der Tossafotlit-eratur zeugen, zuletzt die Responsen mit den Zeitgenossen und die Abfassung der grossen Arbeit bilden die verschiedenen Epochen seines Lebens, das reich war an Not und Entbehrung. Und als der Meister in Wien das Ergebnis seines Studiums in einem Werke niederlegen will, da treten die Erinnerungen der einzelnen Perioden an ihn heran und zu den Auf- Zeichnungen gesellt sich Selbstgeschautes und Erlebtes, unmittelbar Überliefertes reiht sich an das Übernommene, und so entsteht das Or Sarua, welches nebst seiner reichen Mannigfaltigkeit und seinem persönlichem WTerte, dass es denWerfasser charakterisiert, auch das Leben der Juden in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhundert schildert. Es sind dies wohl wenige Striche, die zu einem Ganzen schwer zusammenzufügen sind, dennoch erhellen sie manch dunklen Punkt und bieten zum Verständnis der Zustände eine kräftige Handhabe. R. Isaaks Or Sarua hat aber nicht nur hohe geschichtliche Bedeutung, sondern auch in hervorragendem Masse selbstständigen, objectiven Wert. Zur Geschichte der Raschi-Commentare, zur Textkritik der Tossafot, zur Feststellung richtiger Lesearten der talmudischen und nachtalmudischen Literatur trägt das Werk vieles bei. Sprachlich sind die slavischen, deutschen und französischen Fremdwörter hervorzuheben. Die L 0 a z i m — die französischen Wort- und Sacherklärungen — aus den angeführten Raschi-Citaten sind oft wichtige Varianten der in unserer Ausgäbe befindlichen. Die Nomenclatur der Ortsnamen bietet einen beträchtlichen Beitrag zur Gallia und Germania judaica. Reich vertreten ist die Reponsenliteratur. Die Correspondenz deutscher und französischer Gelehrter bildet einen nicht zu unterschätzenden