Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
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21 wart eines Notars und zweier Zeugen am 31. Juli dem Rat überantwortet. Der Rat nennt das Reskript in einem Schreiben an den Kurfürsten vom selbigen Tag ״ein heftiges Schreiben vnd ernstlich gepott“. Sein Inhalt ist folgender (Vgl. Anhang No. IV): Die Juden haben dem König mitgeteilt, dass der Rat dem früheren Befehl, sie wieder aufzunehmen, bauen und ihre Geschäfte betreiben zu lassen, wozu er durch sein eigenes Wort auf wenigstens drei Jahre unbedingt verpflichtet ist, keineswegs nachgekommen sei; aber auch das Schreiben, das der Rat nach seinem den Juden gegebenen Bescheid an den König zu schicken in Aussicht gestellt habe, ist nicht eingetroffen. In Ansehung der Lage der Juden, die ohne häusliche Niederlassung anderswo lange genug schon im Elend herumwandern müssten, aus Erwägungen der Billigkeit und Gerechtigkeit, die den König annehmen lassen müssen, dass der Rat doch sein gegebenes Wort halten werde, ersucht die Kgl. Majestät ״nochmallens gnädiglich vnnd Ernestlich gebietunds“, dass dem vorigen Befehl uaweigerliehe und gebührende Vollziehung zu teil werde. Wenn aber der Rat vermeine, dass er dazu nicht verpflichtet sei, so sei umgehender Bericht zu erstatten. Der König nennt die Ent- Schliessung ,,vnseren genädigen vnd Ernestlichen willen vnnd Meinung״. Nach der Copie des am gleichen Tage an den Kurfürsten als Reichsvogt abgesandten Schreibens des Rats scheint der Kurfürst dem Rat die Erledigung der Angelegenheit durch seine Räte in Augsburg in Aussicht gestellt zu haben; vielleicht ist der Mangel an Respekt, der sich immerhin in dem Unterlassen einer Antwort an den König bekundet, durch die Erwartung dieser Intervention zu erklären. Aus diesem Schreiben an den Kurfürsten, der von dem erneuten, verschärften Befehl durch dasselbe Kunde erhält, geht hervor, dass der Rat den Juden ungefähr dieselbe Antwort, wie das erste Mal, gegeben hat. Er sei der Meinung, dass unterdessen der Kgl. Maiestät Antwort auf ihr erstes Schreiben zugegangen sei (also jedenfalls durch den Kurfürsten oder seine Räte), und der Hoffnung, dass er ״gnedigist darpey gelassen werde“; sollte aber wider Erwarten die Antwort noch nicht beim König eingetroffen sein, so werde