Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 137)
- Language
- German
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14 des Kurfürsten Bewilligung wieder hereinkommen zu lassen nicht befugt sei. Ist Samuels Darstellung richtig — und da ihr nicht wider• sprochen wird, muss sie es sein, — so ist diese Wendung ein Sophismus, der sich von selbst richtet. Der Bürgermeister hatte den oder sogar die Juden unter der Vorgabe, dass er es gut mit ihnen meine und dass es der Stadt Nutzen sei, zum Verlassen der Stadt bewogen; mithin waren die Juden auch gegen den Kurfürsten durch den Bürgermeister gedeckt. Ueber das Motiv des Bürgermeisters und des Rats, warum sie die Juden zum Verlassen der Stadt bewegen wollten, lassen sich nur Vermutungen anstellen. Das Nächstliegende wäre, zu denken, dass sie anlässlich des Einmarschs des Kriegsvolks die Kopfzahl der zu Verpflegenden mindern wollten. Samuel gibt in seiner alsbald zu besprechenden Eingabe an den Kurfürsten als Begründungsworte des Bürgermeisters für diese Massregcl an ״den man vnder solichen kriegssvolkh nit Jederman zigen oder weren khon*, was darauf hindeuten würde, dass der Rat sich nicht sicher fühlte, den den Juden versprochenen Schutz dem Kriegsvolk gegenüber auch wirksam durchführen zu können. Immerhin bleibt es alsdann schwer zu begreifen, dass er ausdrücklich den Schutz ihrer Weiber und Kinder übernehmen will. Wie wir nun oben bereits gehört haben, wurden die Juden vom Rat zu Schweinfurt an den Reichsvogt, den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, nach Heidelberg gewiesen * 1 2 3)- Noch bevor aber die Juden ihre Supplikation dort eingereicht hatten, waren des Rats Gesandte beim Kurfürsten vorstellig geworden und, wie uns der Verlauf der Angelegenheit zeigen wird, war diese Vorstellung nicht erfolglos gewesen. Der Kurfürst zog durch seinen Gesandten über die Verhältnisse der Juden und die Motive des Rats bei diesem selber Erkundigungen ein (Würzb. Akt). Das Motiv des Rats ist die tatsächliche finanzielle Bankerott-Erklärung der Stadt. *) Die für unsere Darstellung in Betracht kommenden kurpfälzischen Reichsvögte sind: 1) Friedrich II. wahrscheinlich von 1547—1556. (gestorben 26. II. 1556), 2) Otto Heinrich 1556-1559 (gestorben 12, II. 1559). 3) Friedrich III. 1559 - 1568/69,