Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- IV. 1906 - 5667 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 128)
- Language
- German
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5 und Salomon. Samuel Jud ist entschieden nach dem ganzen Akt eine nicht uninteressante, jedenfalls eine sympathische Persönlichkeit. Wenn im allgemeinen die Juden des Mittelalters nur Handelsgeschäfte betreiben dürfen und darum der Stand derselben ohne weiteres feststeht, so ist es bei Samuel anders. Er beruft sich in allen seinen Eingaben an den Eat, den Kurfürsten und den Kaiser auf die Wohltaten, die er den Bürgern der Stadt durch die ״Artzney“ erwiesen hat; er ist also Arzt, freilich neben seinen Handelsgeschäften, die ihm, wie wir nachher sehen werden, genau umschrieben sind. Der Eat von Schweinfurt gibt ihm in seinem Freiheitsbrief offiziell das Prädikat: der ״Bescheidenn“ Schmul Jud. Er ist aber trotzdem ein Mann von Selbstgefühl, jedenfalls von gutem Gewissen. Er ist sich bewusst, wie er in seinen Eingaben bemerkt, dass niemand über ihn zu klagen hat, dass er vielmehr gegen jedermann durch seine Arzneikunde sich dienstwillig gezeigt, dass er durch Geldleihen und ״zimlicher verzinssung“, d. h. durch massigen Zins, den Bürgern gedient hat. Er muss für damalige Verhältnisse nicht unbemittelt gewesen sein, da er der Stadt selber grosse Summen vorstrecken kann und ihm gestattet wird, einen Knecht, eine Magd und einen Schulmeister für seine Kinder zu halten; er ist also auch auf die Erziehung seiner Kinder bedacht. Sein Familiensinn erhellt aus seinen tief empfundenen Schmerzensäusserungen über den Verlust seines Weibes und seiner ״Dechterlich“, die er durch die Belagerung und Einnahme der Stadt verloren hat. Er ist zugleich auch eine offizielle Person; denn seine Abmachungen mit dem Eat der Stadt Schweinfurt erstrecken sich auch auf die Synagoge und das Judengärtlein. den Friedhof oder ״Judenkirchoff“. Er ist ein energischer Mann, der im Bewusstsein seines guten Eechts alle Instanzen, die ihm zur Verfügung stehen, bis zum Kaiser zur Erreichung seines Ziels für sich aufruft. Er ist, sozusagen, ein Eingessener Schweinfurts. 50 Jahre und darüber hat schon sein Vater in Schweinfurt gewohnt, er selber auch schon lange Zeit. Er pocht auf sein gutes Kecht. Allein das gute Eecht der Juden im Mittelalter besteht nur so lange, als es der Willkür und der Gewalt beliebt; es ist eine Täuschung, selbst wenn es auf verbrieften und versiegelten Verträgen beruht. Das musste denn auch unser Schmul Jud erfahren.