Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 372)
- Language
- German
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309 Abhandlungen in dem Commentar nicht achtlos vorbeizugehen, wollen wir auf die interessante Abhandlung über Kalir (S. 364 ff.) hinweisen. Wir bemerken zuvörderst, dass über die Heimat Kalirs die Meinungen geteilt sind. Rappoport lässt ihn aus Italien und zwar aus Cagliari (Kalir) ־ in Sardinien stammen. Dass er nur für den ersten Feiertag Pijutim gedichtet habe, bestreitet er mit dem Hinweis auf den zweiten Tag Pesach, für den auch kalirische Pijutim vorhanden seien. Zunz (Gottesd. Vortr. S. 395) schliesst sich inbezug auf das Heimatsland Kalirs der Meinung Rappoports an. Mit triftigen Gründen weist Luzzatto in einem Brief an Zunz (אגרות שד״׳ל, her' ausgegeben v. Gräber III. S. 467 ff.) diese Ansicht zurück. Die Bezeichnung Kalir könne nicht Cagliari bedeuten, überdies begreife man dann nicht, wie der Dichter sich בן קליר nennen konnte, wird sich doch keiner, wenn sein Vater aus Rom war,בן רומא nennen, wenn auch der Städtename Familienname geworden sei. Die Reime, in deren Endsilben ה und ח Vorkommen, seien für einen Italiener undenkbar, weisen vielmehr auf einen Deutschen hin, bei dem die Aussprache von h undch minder differenziert sei. DiesesArgument ist aber meiner Meinung nach, nicht von Belang; so gross ist zwischen Italienern und Deutschen der Unterschied in der Aussprache des h dem ch gegenüber nicht, dass man den Reim des ה auf ח nur den Deutschen zusprechen könnte. Im Gegenteil, wenn man aus dieser Art des Reimes die Heimat Kalirs nachweisen zu können glaubt, so zeigt dieses eher auf Palästina als auf Italien oder Deutschland hin und könnte dies jenen Meinungen als Stütze gelten, welche Palästina als Heimat Kalirs annehmen. Es ist ja bekannt, dass im Talmud und Midrasch in aggadischen Deutungen oder in Anlehnung einer halachischen Erklärung an ein Bibelwort ה mit ח verwechselt wird, wie הלולים הלולים (Berachoth 35a),הנקי הנקי (Kidduschin 62a), גהרפת נהדפת (Kerithothlla),בהצתו=בחצתו (Midrasch Tehillim cap. 1 und 60) u.a.; daraus ergibt sich, dass ה und ח in vielen Gegenden fast gleichartig ausgesprochen wurden, und zwar vorwiegend, wenn nicht ausschliesslich, in Palästina. Denn alle die angeführten Stellen, deren Erklärungen auf Identifizierung von ה und ה beruhen, rühren von palästinensischen Gelehrten her, von denen es Jer. Peah VII, 6 heisst: לא מתמנעין רבנן בין היא לחי׳ ת. Verständlich wird uns dann