Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 321)
- Language
- German
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_258 _ verlas das Dekret. Zu Abgesandten an die kaiserliche Kommission in Wien wurden R. Salman Koref und Israel Frenkels gewählt und ihnen eine von allen in Brandeis befindlichen Prager Exulanten unterfertigte Vollmacht mitgegeben. Auch wurden sie be ־ vollmächtig^ ein Darlehen von 7000 fl. zu Gemeindezwecken aufzunehmen. Ueber 6000 fl. sollten sie später Rechnung legen, 1000 fl. aber ohne Rechnungslegung verwenden dürfen1). Am 15. Tammus kehrte auch der frühere Vorsitzende des Gemeinde Vorstands, Abraham Pressburg, aus Wien zurück, um auch als Abgesandter nach Wien geschickt zu werden, doch gelang sein Plan, die schon erteilte Vollmacht rückgängig zu machen, nicht. Viele Christen in Prag erwiesen sich jetzt den Juden freundlich und lobten den Entschluss der Kaiserin; die Judenhasser aber, welche die Ausweisung bewirkt hatten, waren betrübt. Am Sabbath kam ein zweiter Brief des Wiener Gemeindevorstandes mit der Aufforderung, sofort angesehene Männer, die sich vor den Fürsten sehen lassen konnten, zu schicken, um an den Verhandlungen über die Aufteilung der Steuer von 800,000 fl. unter die Prager und die böhmische, mährische und schlesische Juden- Schaft teilzunehmen. Am 18. Tammus reisten die Abgesandten R. Salman Koref und Israel Frenkels in Begleitung zweier Diene von Prag nach Wien; sie hatten ausführliche Schriften über die Privilegien der Juden, Steuerberechnungen und das durch die Ausweisung entstandene Elend der Prager Juden bei sich. Am 19. Tammus reiste auch der Landesjudenschaftsprimator Wolfßresnitz2) nach Wien. Am 20. Tammus kehrte R. Abraham Pressburg, der ehemalige Vorsitzende der Prager Gemeinde, nach Wien zurück, um auf Grund seiner alten, ihm noch vor der Judenausweisung erteilten Vollmacht sich im Vereine mit R. Salman Koref und Israel Frenkels an den Verhandlungen bei der Kommission zu Gunsten der Exulanten zu beteiligen. Am 25. Tammus unterfertigten alle in Brandeis anwesenden Juden die obenerwähnte Vollmacht der ו) Trotz dieser Versicherung mussten die Abgesandten später genaue Rechnung legen; erst am 11. Dezember 1749 wurden ihnen ihre Reisekosten im Betrage von 267 fl. 35 kr. vergütet (J. G. A. Repertorium No. 443.) 2) Vater des Chaim Popper aus Bresnitz, bekannter unter dem Namen Joachim Edler von Popper•