Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
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255 vor seinem Hause Posten standen; auch die Stände beauftragten zwei angesehene Männer, für alle seine Bedürfnisse zu sorgen. Er wusste die täglich bei ihm versammelten Beamten und Adeligen durch seine Liebenswürdigkeit und Klugheit zu gewinnen, besonders, da er ja gekommen war, die drückenden Steuerlasten womöglich zu erleichtern. Er liess sich alle Bechnungen über die Landesfinanzen und über die Steuern geben und berief für den 21. Weadar, d. i. den 21. März, 1748 eine Versammlung aller Adeligen und Vertreter der Provinzstädte in die königliche Burg in Prag ein. Als B. Salman Koref hörte, mit welchen Vollmachten Graf Haugwitz gekommen sei und welcher Beliebtheit er sich erfreue, verfasste er sofort ein Memorandum, in welchem er in gedrängter Kürze ausführte, wie viel Steuern die Prager Juden gezahlt welche Vorteile der Kaiserin und dem ganzen Lande aus ihrer Anwesenheit in Prag erwachsen, welche Verdienste sie sich um das Kaiserhaus erworben, wieviel Kriegskontributionen sie in den letzten Jahren aufgebracht, wie sie sich am Schanzenbau betätigt und zählte auch alle Privilegien und deren Bestätigungen, die sie von österreichischen Herrschern erhalten, auf. Zum Schlüsse schilderte er eingehend das jetzige Elend der Prager Juden, die ihre mit Bewilligung der Herrscher erbauten Häuser und Synagogen, ihren von den Herrschern selbst gekauften Friedhof dem völligen Buin überlassen mussten, um unstät und flüchtig im Lande herumzuvagieren, so dass ihre schon durch Mord und Plünderung verringerte Zahl seit der Ausweisung noch weiter heruntergegangen sei. indem mehr als ein Drittel der Kälte und dem Hunger erlagen. B. Salman Koref bat ein angesehenes Mitglied der I andesbehörde um Fürbitte bei Graf Hangwitz zur Aufhebung der Ausweisung und erlangte, dass dieser dem Grafen Haugwitz das Memorandum überreichte und gleichzeitig einen Bericht über das Verhalten der Juden den Stadtbewohnern gegenüber. Graf Haugwitz nahm die Schriften entgegen und stellte noch verschiedene Fragen. Am 21. März versammelten sich Adelige, Geistliche und Vertreter der Städte in so grosser Zahl, wie schon seit Jahrhunderten nicht geschehen, in der Prager königlichen Burg; dort stellte ihnen Graf Haugwitz seine Anträge bezüglich der Landesangelegcnheiten. Bei der Versammlung soll auch die Judenausweisung in