Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 317)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486271--1062-3487423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
254 selbstgewählten und von der Behörde bestätigten Vorsteher zu sehen. Abgesehen davon mussten die Brüder Frankel R. Salman Koref die ihm durch ihre Eingabe verursachten Kosten im Betrage von 150 fl. ersetzen. Die Prager Exulanten in Brandeis bestimmten durch das Los unter einander, wer die obdachlosen Armen an Sabbathen und Feiertagen verpflegen, wer die aus dem Lazarett Entlassenen und die Waisen der Exulanten zu versorgen hätte. R. Salman Koref verkaufte unter Zuziehung von drei anderen ehemaligen Gemeindemitgliedern alles Metall, das sich in den Prager Synagogen, Bädern und im Rathause noch befand, aufs Gewicht zu Gunsten der Erhaltung des Lazaretts. In seiner Rechnungslegung1) führt er den Erlös hiervon mit 450 fl. an. R. Salman Koref setzte auch bei der Statthalterei durch, dass die Kaufleute nicht wie bisher durch ihre Wächter auf der Brücke und am jenseitigen Ufer den Juden alle in ihrem Besitze befundene Ware gewaltsam nehmen liessen und selbst alle von christlichen Lastträgern getragenen Waren darauf prüften, ob sie nicht jüdisches Eigentum seien, indem er darauf hinwies, dass die Kaufleute in eigener Sache Richter seien und viele Juden die konfiszierten Waren eben erst von christlichen Kaufleuten gekauft hätten. Alle bisher den Juden gewaltsam genommene Ware musste zum Altstädter Stadthauptmann gebracht werden, der sie bald den jüdischen Eigentümern zurückstellte. Nur wenn ein Jude dabei betroffen wurde, dass er in einem christlichen Hause Ware verkaufen wollte, durfte man ihm die Ware gewaltsam nehmen, musste sie aber zum Stadthauptmann bringen, der dann Recht sprach. Am 21. Adar, d. i. am 24. Februar, kam Graf Haugwitz, einer d£* angesehensten Staatsmänner, im Aufträge der Kaiserin nach Prag; er sollte trachten, der Kaiserin möglichst grosse Einkünfte zu schaffen, ohne den Einwohnern unerschwingliche Steuern aufzubürden. Man stellte ihm eine Wache von 25 Mann zur Verfügung, von denen zwei stets vor seinem Zimmer und zwei 1) Die Hospitalsrechnung R. Salman Korefs wurde später Gegenstand jahrelanger Verhandlungen, da sich die vielen persönlichen Gegner Korefs bemühten, möglichst viel zu bemängeln und zuttbeanstanderp