Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 315)
- Language
- German
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m die den Juden zur Zahlung der Steuern und für Gemeindezwecke Geld geborgt hatten, fragten die Kaiserin an, wie sie ihre Schulden von der jüdischen Gemeinde im Betrage von 160000 fl• einkassieren sollten1).. 5508 2). Die christlichen Kaufleute stellten einen aus ihrer Mitte an, um aufzupassen, ob die Juden nicht unter ihrem Mantel oder in Körben und Säcken Waren trügen♦ R. Salman Koref hatte von der Kommission und der Statthalterei die Erlaubnis erlangt, von allen sich in der Provinz aufhaltenden Prager Exulanten eine Steuer im Betrage von 3000 fl. zur Bestreitung der Kosten des Lazaretts3) zu erheben. Als der betreffende Erlass durch den Kreishauptmann auch an die Brüder David und Israel, Söhne des ehemaligen Primators Simon Frankel, kam, erhoben dieselben bei der Statthalterei Protest gegen diese Abgabe, indem sie ausführten, die Prager Exulanten seien keine Gemeinschaft mehr, R. Salman Koref masse sich mit Unrecht die Herrschaft über die ehemals Prager Juden an, und endlich widerspreche es den jüdischen Gesetzen, dass Gemeindegelder durch einen einzigen verwaltet würden. Die Statthalterei schickte diese Eingabe an den Kaurzimer Kreishauptmann, welcher die Brüder Frankel und auch R. Salman Koref einvernahm. Bei dem Verhör stellte es sich heraus, dass die angesehensten Prager Gemeindemitglieder — darunter auch die Brüder Frankel — vor der endgültigen Ausweisung beschlossen hatten, das Lazarett so lange als möglich zu erhalten und R. Salman Koref zu bevollmächtigen, das Lazarett zu verwalten und die Gemeinde zu vertreten. Bei der Kaiserin wurde eine anonyme Anzeige erstattet, dass die Juden sich gegen *) Hier folgt jetzt das in der Einleitung erwähnte Blatt 11 der Hdschr. und dann eine grosse Lücke. 2) D. i. 1747/48. *) Das von den Prager Exulanten unterhaltene Lazarett befand sich später in Brandeis a. E., wo auch der grösste Teil der im Lande verbliebenen emigrierten Prager juden lebte. Die hebr. Schreibung für Lazarett ״Lisrett“ entspricht der damaligen Aussprache des Wortes; so hört man noch heute den alten Wolschaner Friedhof, der in der ersten Zeit nach der Judenaus- Weisung bis 1746 als Lazarett für zurückgebliebene kranke Prager Juden diente, die ״Lisrett“ nennen. Demnach ist auch Popper ״Urkundliche Beiträge zur Gesfcfiichte der Juden in Böhmen“ S. 32 zu berichtigen, wo ובגירוש בלעזריטי gelesen wird ״Blessirte“, während es heissetf muss ״im Lazarett“.