Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 311)
- Language
- German
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248 Von diesen wurden 25 zum Schutze der Judenstadt und zur Bewachung der gemieteten Panduren-Schutzmannschaft bestimmt; sie patrouillierten stündlich in der Judenstadt und erhielten dafür pro Mann und Tag 1 fl. Die Geistlichen verkündeten mehrmals in den Kirchen, dass diejenigen, die aus der Judenplünderung herrührende Gegenstände besitzen, nicht eher auf Sündenvergebung rechnen dürften, als bis sie das Geraubte den Beraubten zurückgestellt hätten. Kannte man den rechtmässigen Eigentümer nicht, so sollte man die geraubten Sachen aufs jüdische Rathaus abiiefern. Wenn man bei jemandem aus der Plünderung stammende Sachen sah, so ging ein Jude mit einer städtischen Gerichtsperson in das betreffende Haus und nahm es einfach weg; dessenungeachtet wurde nur sehr wenig von dem Geraubten zustande gebracht, hauptsächlich nur alte Gewänder und altes Hausgerät, das insgesammt nicht 200 fl. wert war. Auch gaben viele vor, die Sachen von den Panduren gekauft zu haben, und gaben sie nur sehr schwer gegen Rückerstattung des Kaufpreises her. In denjenigen Fällen aber, wo der angebliche Kaufpreis den Wert der Gegenstände überstieg, kauften die Gemeindevorsteher nichts zurück. Die Gemeindevorsteher Hessen ein genaues Verzeichnis aller ihnen zurückerstatteten Gegenstände ausrufen, damit jeder sein Eigentum reklamieren könne. Von denjenigen Gegenständen aber, die auf das bürgerliche Rathaus abgeliefert worden waren, erhielten die Eigentümer nichts zurück. Viele Juden Hessen ihre Wohnungen, Haustore und Riegel, die von den Plünderern zerbrochen worden waren, wieder herstellen. Sobald man vernommen hatte, dass die Anführer der Husareu und Panduren wie auch Boten von Prag nach Wien zur Kaiserin gekommen waren, um ihr über den Abzug der Preussen sowie über deren Aufenthalt in Prag zu berichten, fürchteten die Gemeindevorsteher, die Kaiserin könnte dem ersten, der ihr die Botschaft brächte, glauben und alle die Verleumdungen gegen die Juden für wahr halten, und schickten darum R. Sanwel Koref, den Gemeindeschreiber, in Begleitung eines Dieners als Abgesandten nach Wien. Trotz der grossen Gefahr und der Unsicherheit im Lande machte sich Koref am Freitag durch das Neutor — es waren nur das Neutor und das Hradschiner Tor geöffnet — auf den Weg, um mit anderen für die Juden bei der Kaiserin