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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1905-01-01 · III. 1905 - 5666 (1905) · page 310

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
III. 1905 - 5666 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 310)
Language
German
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gesprochen. Nachdem man sie, ohne ein Geständnis erpressen zu können, gefoltert hatte, wurde der eine Fleischer auf die Aus• sage der Torwächter hin gänzlich freigesprochen, den beiden anderen aber ein Zeichen eingebrannt und der Aufenthalt im Lande verboten. Am 28. Kislew wurde im Aufträge der Kaiserin in der ganzen Stadt verkündet, jeder der davon wüsste, dass sich ein Jude durch Wort oder Tat gegen die Kaiserin oder das kaiserliche Heer vergangen, möge dies binnen drei Tagen beim Stadtrichter melden; später würde man niemandem mehr glauben. An demselben Tage wurden zwei Juden verhaftet, die im Verdacht standen, beim Grafen Gallas geraubte Sachen gekauft zu haben, sie wurden aber freigesprochen. Am 29. Kislew wurde auf Ersuchen des Arztes Scherzer vom Gemeindevorstande ein Jude, namens Hirsch Marie, ins jüdische Gefängnis gebracht, weil er die von den Preussen bei Scherzer geplünderten Sachen gekauft haben sollte. Marie gestand und der Gemeindevorstand gab Scherzer alles, was noch im Besitze Maries gefunden wurde, zurück, das übrige gaben die Juden, denen es Marie weiterverkauft hatte, zurück. Ueberdies erhielt Scherzer 200 fl. dafür, dass er die Sache nicht vor das christliche Gericht brachte, was den Juden in ihrem Rufe noch mehr geschadet hätte. In dieser Woche hörte man auch von schrecklichen Mordtaten und Plünderungen, welche Husaren und Panduren an der berühmten Judengemeinde Leipa verübt. Viele fromme und angesehene Männer, darunter auch der fromme Rabbiner1), wurden ermordet. Insgesammt. wurden mehr als dreissig Personen erschlagen, es blieb kein Jude von Misshandlung und Raub verschont. Die Juden flüchteten in die benachbarten Dörfer und Wälder und liessen ihre Häuser mit Hab und Gut drei Tage lang ohne Wächter. Erst als Scbutztruppen zum Schutze der Bunzlauer Gemeinde von Prag abgingen, zogen die Juden mit ihnen nach Leipa; jetzt erst konnten die Erschlagenen beerdigt werden. Am Neumondstage des Monats Teweth kam der Heerfiihrer Graf D 2) nach Prag und brachte 50 Reiter mit. *) Der Rabbiner hiess R. Jona; vgl. Monatsschrift XXXIV, S. 272. 2) Aus der hebräischen Schreibung ist der Name nicht genau zu erkennen. 6. Dezember 1744.

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