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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1905-01-01 · III. 1905 - 5666 (1905) · page 312

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
III. 1905 - 5666 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 312)
Language
German
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249 Fürbitte einzulegen und die Kaiserin zu bewegen, den lügenhafte« Verleumdungen kein Gehör zu schenken, sondern die Juden vor ein Gericht zu stellen, wo sie dann die Verleumdungen als solche kennzeichnen wollten. Unterwegs hörte der Abgesandte, dass die Kaiserin schon beschlossen habe, alle Juden aus Prag, Böhmen und Mähren auszuweisen. Am 10. Teweth kam der Abgesandte nach Wien und erzählte dem dortigen Gemeinde Vorstand von all dem schweren Unglück, das die berühmte Prager Gemeinde betroffen. Alsbald gingen zwei Vorsteher um zu erfahren, ob das Gerücht von der Judenausweisung wahr sei; als sie hörten, die Ausweisung sei eine beschlossene Tatsache, schickte der Abgesandte sogleich einen Boten nach Prag, damit die Prager etwas gegen diesen Beschluss täten. Die Prager Gemeindevorsteher Hessen hierauf alle Priviligen und Bechte sowie deren Bestätigungen, die sie wählend der vielen Jahrhunderte ihres Aufenthaltes in Prag erhalten hatten, abschreiben, ebenso Verzeichnisse aller Steuern und Lasten, die sie jährlich abführten, und aller Vorteile, welche sie überdies dem Lande und der Stadt brächten, anfertigen; sie schilderten ferner ihre Verdienste in den Kämpfen gegen die Schweden1 2), Hussiten, Heiden54) dann in Angelegenheit der 12 Adeligen, welche sich gegen Oesterreich verschworen hatten und dann erhängt wurden, und noch vieles andere, wie es in den christlichen Chroniken verzeichnet ist. Abschriften von diesem eingehenden Memorandum übergaben sie vielen Vornehmen mit der Bitte, sich bei der Kaiserin für sie zu verwenden. Am 11. Teweth kamen wohldisziplinierte Truppen unter dem Oberbefehl des Grafen Kolowrat nach Prag. Ein Teil von ihnen sollte die Wache in der Judenstadt beziehen, doch weigerten sich die dort stationierten Husaren und Panduren, ohne Befehl ihres Anführers, der in der Provinz weilte, ihren Posten zu verlassen. Erst als durch die Gemeindevorsteher ein solcher 1) Die Verdienste der Juden bei der Verteidigung Prags durch die Schweden wurden bekanntlich dadurch belohnt, dass die Prager Juden als ihr Wappen einen Mögen Dovid mit dem Schwedenhut führen durften und die jüdische Fleischerzunft, die sich besonders ausgezeichnet hatte, die Schlüssel der Stadttore erhielt. 2) Mach einer Mitteilung des nicht sehr glaubwürdigen Chronisten Hajek und nach alten Traditionen sollen die Juden 995 den christlichen Böhmen unter Boleslav gegen die Heiden Beistand geleistet haben.

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