Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 308)
- Language
- German
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er sein Geld wieder mitnehmen, und wer könnte wissen, ob sieh, wenn man alle Juden totschlüge, noch eine solche Summe vorfinde. Auch sei es sehr zweifelhaft, wann er (der Kaufmann) diese Summe gezahlt bekomme, zumal, wenn die Juden nochmals geplündert würden. Er bat ferner noch um Gnade für die Juden, wobei er betonte, dass alle Gerüchte über die Haltung der Juden während der preussischen Herrschaft Verleumdungen seien. Der Offizier liess sich auch erweichen und begnügte sich mit dem Geschenke. Sabbath nachmittags kamen seine Soldaten — ungarische Truppen — auf dem Durchmai sch in die Stadt; er liess sie in zwei bis drei grosse Häuser einquartieren und Wachen davor aufstellen, damit kein Soldat auf die Gasse gehe. Auch verbot er den Juden, sich vor ihnen zu zeigen. In den Verstecken lasen die Juden, welche Thorarollen bei sich hatten, den Wochenabschnitt und zwar soufflierte einer dem Vorleser aus einem gedruckten Pentateuch, weil sich in der herrschenden Angst und Verwirrung die Vorleser nicht hatten vorbereiten können. Die meisten Juden aber hatten keine Thorarolle in den Verstecken und holten darum die Verlesung des Wochenabschnittes am nächsten Sabbath nach, an dem zwei Wochenabschnitte verlesen wurden. Am Sabbath noch sandten die Gemeindevorsteher eine Stafette mit einem von Nichtjuden in deutscher Sprache geschriebenen Brief an den Gemeindevorstand von Wien, in welchem alles Leid und Unglück, das über die Prager Juden gekommen war, eingehend geschildert und der Wiener Gemeindevorstand gebeten wurde, bei der Kaiserin sich dafür zu verwenden, dass die Prager Juden nicht ungehört verurteilt würden. Die ganze Zeit über wurden die Juden von Gerüchten beunruhigt, dass sie auf Befehl der Kaiserin alle ermordet würden; da es leicht möglieh war, dass die Kaiserin den zahlreichen Verleumdungen Glauben schenke, hielten die Juden diese Gerüchte für wahr und bereiteten sich für den Tod vor. indem sie sich gegenseitig ermunterten, ihr Leben hinzugeben für die Heiligung des göttlichen Namens und lieber den Märtyrertod zu erleiden, als von ihrem Glauben abzufallen. In der Nacht stiegen Husaren und Panduren auf das Tor der Judenstadt, die dort anfgestellten jüdischen Wächter riefen die zum Schutze in der Judenstadt liegenden Husaren und