Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 307)
- Language
- German
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Am Sabbath1) kam ein Offizier von den ungarischen Truppen und verlangte nach dem Monathalter. Diesem eröffnete er, er müsse bis Mitternacht 20000 fl. haben, um seine Truppen zu beruhigen, *sonst würde das ganze Heer der Panduren und Husaren über die Judenstadt herfallen; dabei entwarf er von der Grausamkeit und Blutgier dieser Truppen die fürchterlichsten Schilderungen und gab den Juden zu bedenken, was sie bei einem Ueberfalle des ganzen Heeres zu gewärtigen hätten, da sie ja bei der gestrigen Plünderung selbst gesehen hätten, was 150 Soldaten vermochten. Der Monathalter Mischei Jeiteles machte Vorstellungen, die Juden seien durch die Plünderung um ihr ganzes Vermögen gekommen, die Gemeindekassen seien ausgeraubt, die christlichen Kaufleute wollten angesichts des Elends der Juden nichts mehr borgen, da unter den jetzigen Verhältnissen auch die alten Forderungen unsicher wären, wie könne man da in drei bis vier Stunden eine so grosse Summe aufbringen. Er erbat sich auch eine kurze Bedenkzeit, um sich mit seinen Amtsgenossen zu besprechen. Der Offizier entfernte sich aber zornig, unter fürchterlichen Drohungen. In der sofort zusammenberufenen Versammlung der Vorsteher, des Eabbinats und der angesehensten Gemeindemitglieder wurde beschlossen, mit einem christlichen Kaufmann wegen eines Darlehens von 1000 Dukaten in Verhandlung zu treten. Mehr wollte man nicht daran wenden, da es erstens ungewiss war, ob der Offizier die Macht habe, seine Drohung zu verwirklichen, zweitens die Befürchtung nahe lag, es könnten auch höhere und angesehenere Offiziere mit ähnlichen Ansinnen kommen. Der Beschluss wurde ausgeführt. Die Gemeindevorsteher begaben sich mit dem Christliehen Kaufmanne zu dem Offizier. Hier versicherte der Kaufmann, er habe der Judengemeinde 1000 Dukaten geborgt zu dem Zwecke, den Offizier gnädig zu stimmen, doch könne er dies Darlehen nur unter der Bedingung gewähren, dass der Offizier diefcJuden gegen künftige Plünderungen in Schutz nehme, denn eine so fürchterliche Plünderung, wie die jüngste, sei seit den ältesten Zeiten, ja selbst im Kriege, nicht vorgekommen. Sollte der Offizier mit diesem Geschenke nicht zufrieden sein, so wolle 1j Genauer nach Ms. Rosenbacher ״Am Freitag Abend“. 22. Kislew= 7. November.