Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 299)
- Language
- German
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236 erhielt der junge Herz Unterricht in den talmudischen Fächern. Als der Vater später in Mainz als Itabbiner tätig war, unterstützte ihn sein Sohn Herz in der Leitung der Talmudschule. Mit allgemeiner Bewunderung wurde das umfangreiche Wissen und der Scharfsinn des jungen Herz angestaunt. In seine!‘ grossen Bescheidenheit lehnte dieser es ab, die ihm nach dem Ableben seines Vaters (1782) angebotene Rabbinerstelle in Mainz zu übernehmen. Er wollte nur dem Thorastudium leben und sich dem Unterricht der vielen Schüler widmen, die sich zu seinen Füssen versammelt hatten. Als im Oktober 1792 Mainz von den Franzosen bedroht wurde, flüchtete alles aus Angst vor dem andrängenden Feinde. Auch R. Herz begab sich mit seiner Familie und seinen Schülern nach Aschaffenburg und blieb dort so lange, bis der Sturm vorüber war. Als Mainz 1793 von den verbündeten Deutschen wieder zurückerobert wurde, nahm R. Herz seine frühere dortige Tätigkeit wieder auf und konnte sich erst nach dem Abgänge des Rabbiners Noach Chajim Zbi, der 1799 nach Altona berufen wurde, dazu entschliessen, dem allgemeinen Drängen nachzugeben und dessen Nachfolger zu werden. Er übernahm die Rabbinerstelle, verzichtete jedoch auf Gehalt und Nebengefälle. Zu seiner grossen Freude sah er die Zahl seiner Schüler wachsen, deren Ausbildung er sich mit ununterbrochenem Eifer und unermüdlicher Sorgfalt angelegen sein Hess. Dabei verfolgte er aber auch den Gang der Weltereignisse mit offenem Auge. Zu Ehren Napoleons und der Kaiserin Josephine dichtete er eine Hymne in hebräischen Versen, die von den Juden in Mainz beim Einzug Napoleons gesungen und auch ins Französische und Deutsche übertragen wurde1). Seine Teilnahme an der jüdischen Notabeinversammlung in Paris (1806) und am grossen Sanhedrin (1807) lehnte er aus religiösen Gründen ab. Gleiche Bedenken mögen ihn wohl dazu bewogen haben, auf die Ehre eines Konsistorialrabbiners in Mainz zu verzichten. R. Herz Scheuer legte 1810 sein Amt nieder. 22. Samuel Levi (1810-1813), Sohn des Rabbiners Wolf Levi (Spiro) in Pfersee2), war fast 1) Vgl. Carmoly, Revue orientale, II, 25. 2) Vgl. über ihn meine Blätter für jüd. Gesch. und Lit. I, 41.