Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 273)
- Language
- German
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210 wägung־ leiten lassen. Da das betreffende, ihm unverständliche Wort neben Nürnberger und Regensburger steht, so wird wohl der dritte im Bunde ein Augsburger sein und somit hätte dann jede der drei ehemaligen freien Reichsstädte ihren Vertreter in der pilpulistischen Terminologie. Einen solchen Terminus hat es jedoch nie gegeben und er findet sich auch nirgends erwähnt. Das Wort ist ganz richtig geschrieben und heisst ״Ausbrenger“ oder nach heutiger Aussprache ״Ausbringer“ und damit hat es folgende Bewandnis. 11. Wenn der Talmud mitten in der Diskussion eine Beweisstelle, eine משנה oder ברייתא, zitiert, kommt es manchmal vor, dass er die betreffende משנה oder ״ ברייתא a u s b r i n g t“ d. h. bis zu Ende zitiert, obgleich zum eigentlichen Beweisthema die erste Hälfte, die רישא, der Anfang der Mischna oder Baraitha, genügt hätte« Das wurde in früherer Zeit ein Ausbrenger genannt und es wurde die Frage aufgeworfen und diskutiert: zu welchem Zweck der Talmud, der doch sonst mit Worten geizt, hier das Zitat in scheinbar unnötiger Weise verlängert. Man bemühte sich in solchen Fällen nachzuweisen, dass auch der scheinbar überflüssige Nachsatz zum Beweisthema gehört und dass die Beweisführung mangelhaft und anfechtbar gewesen wäre, wenn der Nachsatz gefehlt hätte. 12. Eine logische Schwierigkeit anderer Art ist der .Nürnberger. Dieser wird an einer Stelle in den חידושים des מהר״ם שיף B. Mezia 62a mehrfach erwähnt. Es ist bei ihm ein terminus technicus für eine קושיא, deren Wesen er als bekannt voraussetzt, denn er spricht nur davon, dass ein Nürnberger vorliege, ohne zu sagen, worin diese קושיא bestehe. Aus seinen Worten, die gerade an jener Stelle durch Defekte im Manuskript und spätere Ergänzungen entstellt sind, ergibt sich folgendes. Der Gang einer normalen taimudischen Diskussion darf als bekannt vorausgesetzt werden. Es wird von einem Lehrer irgend eine halachische Sentenz aufgestellt, die dann vom Talmud — בעל הגמרא oder סתם גמרא, auch מקשן genannt — zum Gegenstand einer Erörterung gemacht wird. Häufig sind es zwei entgegengesetzte Meinuugen, also eine פלוגתא, die der Erörterung zu Grunde liegen. Es kommt nun nicht selten vor, dass der מקשן seine Meinung scheinbar ändert, indem er bald