Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1905-01-01 · III. 1905 - 5666 (1905) · page 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
III. 1905 - 5666 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 271)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486271--1016-3487377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

208 6. Nichts ist jedoch so sehr geeignet, uns eine Vorstellung von der Bedeutung dieser beiden Jeschiboth zu vermitteln und zu zeigen, mit welcher Gründlichkeit, mit welchem Eifer das Talmudstudium in diesen beiden Städten betrieben wurde, als die Tatsache, dass gewisse Methoden des Talmudstudiums im Mittelalter und bis in die neuere Zeit hinein geradezu den Namen «Nürnberger״ und ״ Regensburger führten. Wenn man heute von Dingen Nürnberger oder Regensburger Provenienz spricht, so denkt jeder an eine bestimmte Gattung von Waren und Genussmittein, die zu den rühmlichen Erzeugnissen des Gewerbefleisses dieser Städte zählen. Es wird niemand auf den Gedanken kommen, dass darunter talmudische oder pilpulistische termini technici gemeint sein könnten. Ich glaube, der Ehre dieser Gemeinden nicht nahe zu treten, wenn ich behaupte, dass das Tal* mudstudium dort nicht mehr so intensiv und eingehend betrieben wird, um eine besondere Specialität. auf diesem Gebiete zu er* zeugen. Vor Jahrhunderten war dies anders. Berühmte Lehrer, Koryphäen auf dem Gebiete des Talmuds, versammelten hunderte von Schülern um sich und waren ihnen Führer und Wegweiser auf dem Meere des Talmud, auf den vielverschlungenen Pfaden der babylonischen Gemara und der scharfsinnigen Erörterungen der französischen Tossafisten. Der Talmud wurde nicht gelesen, sondern ״gelernt״. Die Diskussionen der babylonischen Amoräer wurden nicht blos übersetzt und zum Verständnis gebracht, sondern gründlich nachgeprüft und in eingehendster Weise erörtert. Wo. nur irgendwie in der Beweisführung eine Lücke sich zeigte, wo scheinbare Widersprüche, logische Mängel gefunden wurden, da wurde der Hebel der Kritik angesetzt, eine קושיא aufgeworfen und zur Diskussion gestellt. In der Beantwortung solcher Fragen wurde viel Scharfsinn aufgewendet, um die Sache ins rechte Ge* leise zu bringen. 7. Wenn eine solche Jeschiba längere Zeit geblüht hatte, so bildeten sich gewisse Spezialitäten, bestimmte Methoden, in der Behandlung des Talmudtextes, in der Behandlung regelmässig auftauchender Schwierigkeiten heraus, und diese Methoden führten dann den Namen der betreffenden Schule. War es z. B. die Spezialität der Nürnberger Jeschiba, gewisse, oft wiederkehrende Schwierigkeiten im Talmud zu erklären und es taucht au irgend

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.