Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 271)
- Language
- German
- Belongs to
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208 6. Nichts ist jedoch so sehr geeignet, uns eine Vorstellung von der Bedeutung dieser beiden Jeschiboth zu vermitteln und zu zeigen, mit welcher Gründlichkeit, mit welchem Eifer das Talmudstudium in diesen beiden Städten betrieben wurde, als die Tatsache, dass gewisse Methoden des Talmudstudiums im Mittelalter und bis in die neuere Zeit hinein geradezu den Namen «Nürnberger״ und ״ Regensburger führten. Wenn man heute von Dingen Nürnberger oder Regensburger Provenienz spricht, so denkt jeder an eine bestimmte Gattung von Waren und Genussmittein, die zu den rühmlichen Erzeugnissen des Gewerbefleisses dieser Städte zählen. Es wird niemand auf den Gedanken kommen, dass darunter talmudische oder pilpulistische termini technici gemeint sein könnten. Ich glaube, der Ehre dieser Gemeinden nicht nahe zu treten, wenn ich behaupte, dass das Tal* mudstudium dort nicht mehr so intensiv und eingehend betrieben wird, um eine besondere Specialität. auf diesem Gebiete zu er* zeugen. Vor Jahrhunderten war dies anders. Berühmte Lehrer, Koryphäen auf dem Gebiete des Talmuds, versammelten hunderte von Schülern um sich und waren ihnen Führer und Wegweiser auf dem Meere des Talmud, auf den vielverschlungenen Pfaden der babylonischen Gemara und der scharfsinnigen Erörterungen der französischen Tossafisten. Der Talmud wurde nicht gelesen, sondern ״gelernt״. Die Diskussionen der babylonischen Amoräer wurden nicht blos übersetzt und zum Verständnis gebracht, sondern gründlich nachgeprüft und in eingehendster Weise erörtert. Wo. nur irgendwie in der Beweisführung eine Lücke sich zeigte, wo scheinbare Widersprüche, logische Mängel gefunden wurden, da wurde der Hebel der Kritik angesetzt, eine קושיא aufgeworfen und zur Diskussion gestellt. In der Beantwortung solcher Fragen wurde viel Scharfsinn aufgewendet, um die Sache ins rechte Ge* leise zu bringen. 7. Wenn eine solche Jeschiba längere Zeit geblüht hatte, so bildeten sich gewisse Spezialitäten, bestimmte Methoden, in der Behandlung des Talmudtextes, in der Behandlung regelmässig auftauchender Schwierigkeiten heraus, und diese Methoden führten dann den Namen der betreffenden Schule. War es z. B. die Spezialität der Nürnberger Jeschiba, gewisse, oft wiederkehrende Schwierigkeiten im Talmud zu erklären und es taucht au irgend