Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 269)
- Language
- German
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lieber den ״Pilpu!“ in den alten Jeschiboth. Von Rabbiner Dr. H. Ehrentreu in München. 1. Die Geschichte der deutschen Juden im Mittelalter setzt sich aus zwei parallel laufenden Strömen zusammen, von denen der eine aus dem finsteren Abgrund mittelalterlicher Unduldsamkeit und Rohheit seinen Ausgang nimmt und demgemäss trübe und schlammige Gewässer mit sich führt, wahrend der andere aus dem lebenspendenden Quell der Thora entspringt und daher stets befruchtend und segensreich gewirkt hat. Die eine, die bekanntere Seite im Buche der Geschichte ist mit Blut und Tränen geschrieben, sie erzählt uns von einem jahrhundertelang währenden Martyrium, das mit beispiellosem Heldenmute ertragen wurde, sie bildet eine heroische Tragödie, deren Held ein ganzes Volk gewesen. Die andere Seite, die uns von dem inneren geistigen Leben unserer Vorfahren erzählt und die erfreulicher zu betrachten ist, hat nur wenige Bearbeiter gefunden1) und ist dementspsechend nur mangelhaft bekannt. 2. Das jüdische Geistesleben dieser Epoche konzentrierte sich in den Jeschiboth, in denen das Talmudstudium in eifrigster Weise betrieben wurde; diese Jeschiboth waren die Pflanzstätten jüdischer Wissenschaft, Brennpunkte gelehrter Forschertätigkeit, Turnierplätze, wo man in der Handhabung geistiger Waffen sich übte. Solche Jeschiboth oder Hochschulen erblühten regelmässig dort, wo irgend eine Kapazität talmudischer Gelehrsamkeit heimisch war. Die Persönlichkeit des Lehrers verlieh der Schule, der er Vorstand, der Gemeinde, in der er wirkte, Ruhm und Ansehen, ganz im Sinne des Talmuds, der da sagt2): ״Nicht der Ort ehrt den Mann, sondern der Mann verleiht Ehre dem Orte seiner Wirksamkeit“, Der Ruhm solcher Männer verbreitete sich weit-