Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 253)
- Language
- German
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190 Mangel an Mitteln, sondern durch die trüben Zeitverhältnisse. Babylonien, das so lange unseren Vorfahren eine Stätte ungetrübtester Ruhe gewährte, das in sich den Glanz des Judentums, die Blüte seiner Geistesarbeit barg, begann das Beispiel Judenfeindlicher Völker nachzuahmen. RabHai wurde gefangen genommen, gefesselt und gemartert. Allein das alles hätte nicht den Verfall der Hochschulen herbeigeführt; denn wir wissen, so schliesst Halevy den dritten Teil seines Meisterwerkes, ״wie auch die ״Verhältnisse sein mochten, stets nahmen unsere Vorfahren alle ״Kraft zusammen, um der Mühsale Herr zu werden und die Stätten ״der Thora nicht ins Wanken zu bringen. Wenn das Unheil auch ״alle Grenzen überstieg, verharrten sie doch geduldig im Gott- ״vertrauen, bis der Sturm vorüber war und sie von neuem die ״zerstörte Stätte, die dem Ruhme Gottes diente, errichten konn- ״ten. Jetzt aber war es anders geworden; eine neue Stätte war ״entstanden, auf welcher neue Zelte der Thora errichtet wurden; ״aus wolkenlosem Himmel sandte ihnen in Spanien und den an- ״deren Ländern des Westens die Sonne des Heils ihre Strahlen, ״und Israel, das sich stets als einen einheitlichen Volkskörper ״fühlte, empfand es, wo der Pulsschlag seines Herzens pochte, und ״strebte dahin. Darum wurden nicht mehr alle Kräfte gesammelt, ״um die Metibtas dort zu erhalten, wo die Stürme sie verwehen ״wollten. In Babylonien ging die Sonne der Thora unter, um in ״den westlichen Ländern in ihrer ganzen Herrlichkeit neu zu ״erstrahlen.“ *