Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 248)
- Language
- German
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185 die Schüler. Ihre Zahl war sehr gross, sie betrug immer mehrere Hundert, war aber zeitweise mehr als tausend stark. Die Sitzungen der Hochschule, Kalla genannt, fanden nur während zweier Monate des Jahres statt; es waren dies die Monate Adar und Ellul, in denen in der Regel keine Feldarbeit zu verrichten war und daher Lehrer und Schüler am bequemsten zur Stätte der Hochschule zusammenströmen konnten; je nach dem Orte, an welchem die einzelnen wohnten, zählten sie sich zur Hochschule von Sura oder Pumbeditha. Die Tage vergingen im eifrigsten Studium; ein ganzer Traktat wurde in jedem Kallamonate durchgenommen und zwar derselbe, welcher in den fünf vorangegangenen Monaten von jedermann in seinem Wohnorte durchstudiert worden war. Bevor jedoch in die eigentliche Tagesordnung eingetreten wurde, wurden erst die von nah und fern eingelaufenen Anfragen der Hochschule zur Erörterung vorgelegt. Jeder der Gelehrten konnte seine Meinung äussern, das Für und Wider wurde gründlich durchgesprochen und nach allen Seiten die Frage aufs gründlichste erwogen; dann fasste der Vorsitzende das Ganze zusammen, damit jeder höre, ob er richtig verstanden sei und kein Missverständnis vorkomme. Nachher erst schrieb der Protokollführer die so nach allen Seiten hin motivierte Antwort nieder, der Präsident legte sein Amtssiegel unter die Unterschrift und die Antwort ging an die Fragesteller ab. Nachdem dieses erledigt war, ging man zum Studium oder vielmehr zur Besprechung des vorliegenden Traktats über. Ein Resch Kalla der ersten Reihe trug zunächst den Gegenstand vor; kam er zu einer Stelle, die dunkel war und der Erörterung bedurfte, so beteiligten sich alle Gelehrten an der Diskussion, dabei waren alle bestrebt, dem Vorsitzenden den schuldigen Tribut der Ehrerbietung zu zollen, niemand redete ohne seine Erlaubnis und jeder suchte seine Fragen an ihn zu richten; erst wenn alles klar gestellt war, wurde die so geklärte Talmudstelle noch einmal vorgetragen, um sie besser den Schülern einzuprägen und ihnen als die massgebende Erklärung der Hochschule an die Hand zu geben. Wenn dann in solch eifrigem, gründlichem Studium die drei ersten Wochen des Kallamonats verstrichen waren, nahm in der vierten Woche der Vorsitzende die Prüfung der Schüler vor. Diese fand in merkwürdiger Gründ-