Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 125)
- Language
- German
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62 Engel den Israeliten am Freitag Abend aus der Synagoge nach Hause geleiten, diese aber ohne Billet ins Theater eingeführt werden 10). In ernsten Dingen verstand er aber keinen Scherz. Einst reiste durch Posen ein als talmudischer Mnemotechniker ("־ש־׳ס Pollack״) vielbewunderter Littauer, genannt ״der eiserne Kopf״, der jede, auch noch so entlegene Stelle des Talmuds und seiner Literatur gleich mit Seitenzahl, Paragraphennummer u. s. w. zum Erstaunen der Zuhörer angab. Auch vor ß. Akiba Eger äusserte er ruhmredig auf eine vor diesem liegende, kostbare Talmudausgäbe hinweisend: ״Das kann ich auswendig.״ E. Akiba Eger legte ihm darauf drei Fragen vor. Als der Prahler verlegen die betreffenden Stellen nicht zu finden wusste, sprach der Eabbi: ״Weh dem, der die Thora zum täuschenden Schaustück macht, um Schätze zu erpressen. Seid Ihr durch Geist und Wissen anderen überlegen, so seid Ihr auch um so mehr verpflichtet, Euch um tiefere Ergründung der Thora zu bemühen.״ Beschämt reiste der Prahlhans unverzüglich ab11). Zum Schlüsse noch ein Wort der Erkenntnis seiner eigenen Bedeutung. Eines Tages war ein eifriger, bekehrungssüchtiger Anhänger des Chassidismus nach Posen gekommen, um E. Akiba zu sehen. Von den Eindrücken der eifrigen Thorapflege durch und um den Eabbi mit Bewunderung erfüllt, sprach er zu ihm: ״Schon auf den Stufen zu Euch wehte mir Thoraduft entgegen; schade, dass Ihr in einem Lande seid, wo Ihr ungewürdigt seid. In unsere Mitte, nach Eussisch-Polen, müsset Ihr Euren Wirkungs־ kreis verlegen.״ Der Eabbi aber antwortete: ״Was soll aus den Juden Deutschlands werden, wenn auch die letzten Bannerträger der Thora sie verlassen1?).״ 10) Mündliche Ueberlieferung, auch erzählt in מאמר שיהת חו^ין של ת״ח von Benzion, S. 6. 11) Ueberlieferung seines Schülers Baruch Rosenfeld. 12) Mündliche Ueberlieferung.