Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486271--0852-3487213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
44 der Oberrabbiner Eiger in dieser Hinsicht tun und lassen wird, — heisst es daselbst — ist mein Wille“. Doch stellte er die Bedingung, dass zwei Dritteile der Summe zu Gunsten des Krankenhauses verwendet werden. Ausserdem gab er ihm mündlich dahin seinen Willen kund, dass er weder der Posener Gemeinde ein Vorzugsrecht bei der Nutzniessung dieser Stiftung, noch ihrer Vertretung eine Einmischung in die Verwaltung einräume. Am 19. Mai 1829 starb S. B. Latz. R. Akiba Eg er zog darauf nach behördlicher Genehmigung des Testaments die Summe, die auf seine Veranlassung der Sohn und der Schwiegersohn des Erblassers noch um 550 Tlr. vermehrten, ein und erwarb 1832 das (in diesem Jahre erst niedergerissene) Ecke Teich- und Wronkerstrasse gelegene Haus, welches aus einem zweistöckigen Haupt-, einem Hintergebäude, zwei Seitengebäuden, einem Hof und einem kleinen Gemüse- und Obstgarten bestand. Hier errichtete er auf der einen Seite das Krankenhaus mit dreizehn Krankenzimmern und einem mit Rücksicht auf die Priester gänzlieh getrennten Leichenzimmer, auf der andern Seite das zu Ehren des Stifters בית שלמה genannte und als solches bekannte Lehrhaus mit Betlokal ein. Über ersteres bestellte er ausser dem Ober-Verwalter fünf Vorsteher und eine Wärterfamilie, über letzteres zwei Vorsteher. Die Verwaltung geschah zunächst nach seinen Instruktionen. Da er nur 5000 Tlr. für die Gründung (Kaufpreis, Bau und Einrichtung) verausgabt, 200 Tlr. aber als verzinslichen Fonds zu Gunsten der Krankenpflege angelegt hatte, musste er, trotzdem der edle Rabbi in selbstloser Weise öfters bedeutendere Zuschüsse aus seiner Tasche und ihm zur Disposition gestellten Mitteln gewährte, die Zahl der aufzunehmenden Kranken beschränken und, wenn angängig, auf die Rückerstattung der sehr massig berechneten Verpflegungskosten, zur Sicherung derselben sogar auf einen kleinen Vorschuss (5 Tlr.) beim Eintritt halten. Dennoch entwickelte sich das Latzsche Krankenhaus bald zu einemsehr segensreich wirkenden Institut. Vom 1. Januar 1834 bis zum 1. August 1830 wurden darin 137 Kranke, hauptsächlich aus der Stadt und Provinz Posen, behandelt und meist geheilt. Gleichwohl führte diese wohltuende, bewährte Verwaltung zu einem schweren, unerquicklichen Konflikt. Die Vertretung der Posener Gemeinde nämlich, die von ihm, dem beson-