Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- III. 1905 - 5666 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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7 nährte Geist in der Bekämpfung des herrschenden, talmudischen Judentums kund. Damals war er allerdings noch so schwach, dass er noch leicht einzuschüchtern war, und der Protest gegen die Wahl des streng talmudischen, als ״roher Pollak“ verhöhnten R. Samuel missglückte20). Um so grösser waren seine Fortschritte und Beharrlichkeit in der Folgezeit, als nach dem Tode des R. Samuel am 14. Kislew 180621) Rabbi Akiba Eger sein Nachfolger werden sollte. Hatte doch die Aufhebung des Judenviertels 22) nach dem grossen Brande vom 15. April 1803, bei dem der grösste Teil der Judenstadt, drei Frauenschulen, das Beth-Hamidrasch und das Krankenhaus völlig niedergebrannt waren und 2569 Juden ihr Hab imd Gut verloren hatten23), die dadurch begünstigte Annäherung zwischen Juden und Christen, die Gründung eines deutschen Lese- Vereins im Jahre 1812 23b), das Auftreten des stylgewandten, theoretisch und praktisch sich bewährenden Pädagogen 1)a vid Caro24), seit 1800 in Posen, der bald mit den genannten Vätern der Reform in Beziehung trat und seine eigenen Reformvorschläge später im ברית אמת und ברית כהונה anonym der Öffentlichkeit gebieterisch empfahl, — hatte doch dies alles den Keim der Gährung zu einer starken, kampfeslustigen Oppositionspartei anwachsen lassen. Zwar hatte die Gemeinde Posen, welche die Familie des verstorbenen Rabbiners noch zu versorgen hatte, trotz ihrer Yerarmung infolge des furchtbaren Brandes imd einer Schuldenlast von 100 000 Tlrn. und trotz der politischen Wirren und des jähen Wechsels dreier Landesherrschaften (der polnischen, deutschen *״) Siehe Bloch, Heinrich Grätz, ein Lebensbild, in Monatsschrift 1904 S. 35 ff. 21) Seine Grabschrift lautet: פ"ג המפורסם הגאון מורנו ורבנו מהל׳ משה שמואל בעהמ״ה בית שמואל אהרון אב״ד דק״ק פוזנא בהר״ב מהו׳ משה פינהס זצ״ל ה׳ ל׳ י״ד בסלו תקס״ז. 22) Zu demselben gehörten die Judenstrasse, Platzgasse und der goldene Berg bis zur Dominikanerkirche. 23) Siehe darüber Prümers in Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 1904 S. 119 ff., Perles a. a. O. S. 211, Posener Zeitung von 1903. 23יי) Posen C. XVIII, 53. 24) Ueber David Caro, 1782 in Fordon geboren, 1839 in Posen gestorben, und seine zahlreichen, meist unedierten Schriften siehe J. Lippmann, David Caro, Posen 1840. Siehe auch Bloch a. a. O. S. 21 Anm. 1 und 2.