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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 304

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 304)
Language
German
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__ 800 _ trieben. Es hatte sich auch der Mangel an Wasser sehr fühlbar gemacht; das Wasser in den Wasserleitungen, das sonst stets floss, war nämlich abgesperrt worden. Die Juden hatten sich deshalb gleich zu Beginn des Brandes an die Behörde gewendet; auf Intervention derselben mussten die * Herren vom Altstädter Rathause das Wasser wieder fliessen lassen. Bei Tagesanbruch kamen die angesehensten Mitglieder der Repräsentation in die Judenstadt, um zu sehen, was noch zu retten sei. Vor allem suchte man den Brand zu lokalisieren und ein Uebergreifen desselben auf die Häuser in der Nähe der Kirchen zu verhüten. Die brennenden Häuser liess man bis auf den Grund niederbrennen1). Die Juden mussten sich, da sie kein Obdach hatten, in den christlichen Städten aufhalten, sie waren so zerstreut, dass sie gegenseitig von einander nicht wussten. Mnn wusste nicht, wer den Brand gelegt hatte; da wurde am 28. Ijar2) ein christliches Mädchen gerade in dem Augenblicke festgenommen, als es das Neustädter Spital auf dem Viehmarkte in Brand stecken wollte. Sie gestand ihre Schuld auch gleich ein, doch behauptete sie, von einem ihr fremden Juden zur Brandstiftung verleitet worden zu sein. Es wurden sofort alle Juden, auf welche die Beschreibung des Mädchens passte, ins Gefängnis gebracht, es stellte sich bald heraus, dass die Angaben der Brandstifterin erlogen waren, dessenungeachtet wurden die gefänglich eingezogenen Juden bis zum Rüsttage des Pessachfestes des Jahres 5515 3) im Gefängnisse behalten. Das Volk griff gleich die lügenhaften Aussagen der Brandstifterin auf und erklärte die Juden für Mordbrenner, die man sich vom Leibe halten müsse, sonst würden bald auch die christlichen Städte in Brand gesteckt werden. Diese Verleumdungen hörten erst auf, als auf Befehl der Behörden in allen Kirchen verkündet wurde, dass die Juden unschuldig seien. Die Brandstifterin wurde von der Kaiserin zu fünf Jahren Spinnhaus begnadigt. Am 12. Siwan *) Das Andenken dieses Brandes hat sich in der Selicha für den 26. Ijar erhalten; diese Selicha wird in Prag nicht mehr gebetet, doch ist sie noch handschriftlich vorhanden. Sie beginnt mit den Worten: ירעדו המחנים ןיזלו העינים. 2) 20. Mai. 3) 26. März 1755.

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