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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 303

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 303)
Language
German
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299 dass sie gar nicht wussten, wohin sie sich wenden sollten; sie rafften sich endlich auf, um vor allem Frauen und Kinder, Greise und Kranke, Blinde und Lahme zu retten. Währenddessen rannten die Christen, mit den Spritzen, Schläuchen und Feuerhaken die christlichen Häuser zu retten; an diesen Arbeiten beteiligten sich viele Zimmerleute, Maurer und Bauchfangkehrer. In der Judenstadt konnte man keinen Schritt gehen, ohne Gefahr, von einstürzenden Mauern und herabfallenden Balken beschädigt zu werden. Das Feuer forderte zwei Menschenleben, eine Frau erstickte und ein Knabe verbrannte. Als man gegen Tagesanbruch wieder in die Judengasse zurückkehrte, fand man nur die Altneuschul unversehrt; auch in dieser hatte die Vorhalle in der dem jüdischen Bathause zugewendeten südöstlichen Ecke zu brennen begonnen 1j, ebenso die Fensterhölzer der mittleren Synagoge. Doch hatten einige beherzte Juden mit Lebensge* fahr den Brand im Keime erstickt. Von der Hochsynagoge brannte das Dach und die Wohnung des Synagogendieners ab. Bei der Meiseisynagoge brannten die Frauenabteilung und die kleinen Hallen mit sämtlichen darin enthaltenen Betpulten, Büchern und heiligen Thorarollen ab. Das Feuer verzehrte auch das Dach dieser Synagoge. Die Hitze war so gross, dass das Steinpflaster darin barst. Die Pinkassynagoge und die Klaus blieben vom Feuer verschont, ebenso deren Umgebung und von der Hanpasgasse die ganze dem Flusse zugewendete Seite von der Klaus bis zu ihrer Mündung gegenüber der Grossenhofsynagoge. Von der Umgebung der Pinkassynagoge blieben die dem Wasser zugewendeten Häuser erhalten, auch vier Häuser auf der linken Seite der Gildegasse. Abgesehen von diesen wenigen Häusern brannte die ganze Hauptstrasse der Judenstadt und die ganze Umgebung der Altschul ab. Was vor dem Feuer in Keller, Gewölbe, christliche Häuser und auf den Friedhof gerettet worden war, wurde verwechselt und gelangte nicht immer in die Hände der früheren Besitzer. Uebrigens gab es viele Diebe; auch die Soldaten und das Volk stahlen und raubten, während sie die Juden zum Löschen נ) Als im Jahre 1883 eine Wand der Altneuschul sich bedenklich zu neigen begann, und man daran ging, die Ursache dieser scheinbaren Baufälligkeit zu untersuchen, fand man, dass ein Teil der Dachbalken ganz verkohlt war, was nur auf diesen Brand zurückgeführt werden kann.

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