Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 288)
- Language
- German
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_284 Porzellangefässe wurden von den Fenstern hinabgeworfen. Den Juden liess man nicht einmal die Kleider am Leibe. Die Bethäuser und Lehrhäuser wurden erbrochen, die silbernen Geräte und alle Kostbarkeiten wurden geraubt, die heiligen Thorarollen zur Erde geworfen und zerrissen, Gebetbücher, Talmude und alle hebräischen Bücher zerfetzt, das Geländer des Almemor, das Lesepult zerbrochen. Auch das jüdische Rathaus und die Gemeindekasse wurden ganz ausgeplündert. Die Plünderung währte die ganze Nacht. Die Kunde von den Vorgängen war zugleich mit der Nachricht vom Abzüge der Preussen in die Provinz gedrungen und am 22. Ivislew ג) strömte von allen Seiten Gesindel vom Lande nach Prag, um mitzuplündern. Was die Prager übrig gelassen hatten, das wurde Beute der neuen Ankömmlinge; diese hatten es hauptsächlich auf den Markt abgesehen. Nicht ein Gewölbe, nicht ein Keller blieb undurchsucht; alles wurde mitgenommen, man liess nicht einmal die Nägel in der Wand zurück. So waren die Juden mit einem Schlage um ihr ganzes Hab und Gut gekommen, die meisten hatten nur ihr nacktes Leben retten können. Am 22. Kislew gegen 10 Uhr kam ein Husaren- Offizier in die Judenstadt. Einige beherzte Juden wagten sich aus ihren Schlupfwinkeln heraus und baten ihn um Hilfe; da sie diese Bitte nicht mit barem Gelde unterstützen konnten, so gaben sie dem Offizier einen in einem Monat zahlbaren, auf 100 Dukaten lautenden Wechsel. Es gelang dem Offizier, die Ruhe wiederherzustellen. Die plündernden Soldaten zogen ab und auch der Pöbel zerstreute sich bald. Die Juden kamen aus ihren Schlupfwinkeln heraus und versuchten den Abziehenden soviel als möglich von der Beute wieder abzunehmen; den Soldaten mussten sie auf Befehl des Offiziers ihre Beute lassen. Die Altneuschul war der Plünderung entgangen, ebenso die Zigeunersynagoge und die Zigeunergasse; die Christen, die in der Nähe dieser Gasse wohnten, hatten nämlich den Plünderern gesagt, die Juden dieser Gegend seien arm, und man hatte ihnen geglaubt. Am Nachmittage des 22. Kislew kam ein anderer Offizier in Begleitung des Obenerwähnten wieder in die Judenstadt; es wurde in der ganzen Stadt ausgetrommelt, dass niemand den Juden etwas antun dürfe; die Gemeindevorsteher mieteten BO Banduren zum 0 27. November.