Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 286)
- Language
- German
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282 und bei dieser Gelegenheit sprach General Einsiedel zum dritten Male für die Juden. Am 20. Tischrix) hatten die Gemeindevorsteher von den Bürgermeistern die Zusage erlangt, zum Schutze der Juden in der Zeit zwischen dem Abzüge der Preussen und dem Einmärsche der Kaiserlichen 200 Mann in der Judenstadt und 200 Mann auf dem Tandehnarkt aufstellen zu lassen. In diesen Tagen hatten die Juden viel von den preussischen Soldaten zu leiden; jeder, der sich aus der Judenstadt herauswagte, wurde überfallen und beraubt. Selbst die Träger, die Sachen aus einer Strasse in die andere trugen, blieben nicht verschont; es war ganz unmöglich, etwas zur Sicherung aus dem Tandelmarkt in die Judenstadt oder aus der Judenstadt in die Christliehen Städte, ja selbst aus einem Haus in das andere, zu schaffen. General Einsiedel erklärte, nicht dagegen einschreiten zu können, da sich sein Heer ohnehin täglich durch zahlreiche Desertionen verringere und die Deserteure sich sogar furchtlos in Civilkleidern auf der Strasse zu zeigen wagten; zu solchen Zeiten dürfe man keine Strenge anwenden. Die meisten Tore der Juden blieben aus Furcht geschlossen. Am 20. Kislew 2) befahl der preussische Befehlshaber den Gemeindevorstehern unter Androhung scharfer Exekution, unverzüglich die noch schuldende Kontribution bis auf den letzten Pfennig zu erlegen und die silbernen Synagogengeräte auszulösen; auf die Bitten der Vorsteher begnügte er sich mit einer Zahlung von 7000 fl. und gab ihnen die Synagogengei äte wieder. In der Nacht vom 20. auf den 21. Kislew verliessen die preussischen Soldaten ihre Wachtposten in der Judenstadt und auf dem Markte und diese wurden im Aufträge der Bürgermeister von städtischen Truppen besetzt; doch sandte man, statt der versprochenen 200 Mann für jeden Wachtposten, nur 20 Mann. Am 21. Kislew3) zogen die Preussen durch das Sandtor und das Spitaltor ab; alle anderen Tore blieben geschlossen; sie Hessen in der Stadt viele Waffen, Kanonen und Kriegsproviant zurück und nahmen nur 8 Feldschlangen mit. Als die in Königssaal liegenden österreichischen Truppen von dem Abzüge der Preussen hörten, setzten gegen 9 Uhr morgens 100—180 Husaren und Banduren von 26. September. 2) 25. November. 26. November.