Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 285)
- Language
- German
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281 Einsiedel liess sofort alle Stadttore absperren, damit niemand die bei Königssaal liegenden österreichischen Husaren und Banduren, die von dort aus die Zufuhr des Proviants zu verhindern suchten, von dem bevorstehenden Abzüge in Kenntnis setze, weil er einen Ueberfall seitens dieser Truppen fürchtete. Auch befahl er, Reiseproviant und möglichst viel Kriegsmunition zu beschaffen und liess sein Heer marschfertig machen. Sobald die Gemeindevorsteher von dem bevorstehenden Abzüge der Preussen hörten, beschworen sie den General Einsiedel, die ausgestreuten Verleumdungen bezüglich der angeblichen Hilfe, die die Juden den Preussen geleistet haben sollten, zu dementieren und die Bürgermeister dazu zu veranlassen, Wachen zum Schutze der Juden aufzustellen, da ja allgemein bekannt sei, dass sich das Volk rüste, gleich beim Abzüge der Preussen über die Juden herzufallen. Als die Bürgermeister am 19. Ivislew1) zum General Einsiedel kamen, brachte er ihnen das Anliegen der Juden vor und führte des langen und breiten aus, wie er keine Gelegenheit habe Vorbeigehen lassen, von den Juden Abgaben zu fordern, ja, er habe sogar die Juden unter Ausserachtlassung alter Privilegien gezwungen, zu den Kosten der Einquartierung beizutragen, wie ervon den Juden nichts ohne schärfste Exekution habe erlangen können, wie endlich die Juden gar keinen Grund hätten, Preussen auf Kosten Oesterreichs zu bevorzugen, zumal sie in Oesterreich viele Freiheiten geniessen, die sie in Preussen nicht haben u. s. w. Aus alledem gehe klar hervor, dass weder die Juden die Preussen, noch die Preussen die Juden begünstigt hätten. Er beschwor die Bürgermeister, der Gnade eingedenk zu sein, mit der er sie im Verhältnis zu den Franzosen behandelt habe, und den Juden Gnade zu gewähren und sie gegen die zu erwartende Plünderung, die wohl nicht ohne Blutvergiessen abgehen würde, zu schützen. Die Bürgermeister erklärten sich hierzu bereit, doch könnten sie ohne Waffen die Juden nicht gegen die Menge schützen. Darauf versprach er, ihnen die Waffen, die er ihnen am 22. Tischri abgenommen, wieder zurückzustellen und nahm sich nochmals der Juden an. Am 20. Kislew 2) erfolgte die Rückgabe der Waffen *) 24. November. Die hier erzählte Intervention des GeneralsEinsiedel wird den Juden gewiss auch übel gedeutet worden sein. 2) 25. November.