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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 284

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 284)
Language
German
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_280 oder man Fleisch für einen Kranken benötigte. Am 8. Tag des Laubhüttenfestes1) befahlen die Preussen den Prager Städten, täglich 4000, den Juden, täglich 250 Schanzenarbeiter zu stellen. Die Juden kamen, um den Anschein zu vermeiden, als hätten sie Arbeiten gegen die Kaiserin verrichtet, mit den Preussen über־ ein, Soldaten als Stellvertreter für die Schanzenarbeiter zu dingen, und zwar musste jeder Soldat täglich für diese Arbeit 15 Kreuzer bekommen. Das Geld zu dieser Zahlung wurde von den Gemeindemitgliedern zur Hälfte nach der Kopfzahl, zur Hälfte nach dem Vermögen eingehoben. Die Preussen befählen den Pragern bei Todesstrafe, alle Waffen abzuliefern. Am Sabbath, dem 2. Kislew2), wurde das österreichische Wappen von allen Aemtern abgenommen und die Beamten mussten dem bayerischen Kaiser Treue schwören. Die preussischen Truppen exerzierten täglich auf den Plätzen der drei Prager Städte 3); da auch Juden diesem ungewohnten Schauspiele beizuwohnen pflegten, brachte das Volk das Gerücht auf, die Juden stünden auf Seite der Preussen. Während der ganzen Zeit der Herrschaft der Preussen in Prag, streuten die Prager böswillige Verleumdungen4) gegen die Juden aus; in allen Kaffeehäusern und Wirtschaften sprach man nur davon, wie man sich, sobald Maria Theresia wieder in den Besitz Prags komme, an den Juden rächen wolle, dafür, dass sie die Preussen in die Stadt gebracht hätten. Die Gemeindevorsteher konnten nichts gegen die böswilligen Ausstreuungen tun, da es ihnen unmöglich war, zur Kaiserin zu gelangen. Die Christen, die in der Nähe der Judenstadt wohnten, stellten die Embleme ihres Glaubens in die Fenster, damit sie, wenn die Kaiserin die Stadt wieder erobere, von Raub und Plünderung verschont blieben. Am 17. Kislew5) erhielt General Einsiedel vom preussischen König den Befehl, Prag zu verlassen. General *) 28. September. 2) 7. November. 8) Die drei Prager Städte sind: Altstadt, Neustadt, Kleinseite. 4) Wie albern diese Verleumdungen waren, erhellt aus dem Attestdatum der Jurisdiction beim hl. Geist d. do. 27. Januar 1749, in welchem bestätigt wird, es sei nicht in der Wahrheit gegründet, dass die Juden bei Einrückung der preussischen Truppen in die Prager Städte eine blaue Fahne aufgesteckt und eine Illumination gehalten haben (J. G. A. No. 118). 5) 22. November.

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