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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 246

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 246)
Language
German
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242 gegen Verarmung und Elend gekämpft haben. Aber auch ein allgemein kulturgeschichtliches Interesse bietet die Lectiire der alten Dokumente, die inhaltlich und formell dem geschichtlichen Gange gemäss sich ändern. Wir sprechen hier von dem vor fast 150 Jahren in Frankfurt a.M. unter dem Namen ״Rodfe Zedakah“ gegründeten Verein, der jetzt den Namen ״Verein zur Verteilung von Heizmaterial“ führt. In kurzen Zügen wollen wir hier Geschichte und Wirken dieses Vereins zeichnen und dann die Statuten folgen lassen. Das Jahr 1763 wird, wiewohl die Zahl nicht dokumentarisch belegt ist, als das Gründungsjahr des Vereins angenommen. Jedenfalls ist der Verein älter als das Jahr 1786, von welchem das erste noch vorhandene Statut datiert, denn von dem wöchentliehen Beitrage heisst es da, dass es damit wie von jeher (כמקדם) verbleibe. Ferner lässt sich aus dem Statut von 1792 dasselbe schliessen. Denn hier heisst es bei Festsetzung des zu verteilenden Holzquantums, dass ursprünglich für jeden Haushalt ein halber Stecken Holz verabreicht worden sei; dies aber muss vor 1786 der Fall gewesen sein, denn das Statut von diesem Jahr sieht für jeden Haushalt einen ganzen Stecken vor. Auch Statuten müssen schon vor diesem Jahre bestanden haben, denn das Statut von 1786 spricht von dieser ״neuen“ Urkunde. Aus der Vorrede zu den Statuten vom Jahre 1786 (s S. 243 ff.) geht hervor, dass der Hauptzweck des Vereins die Holzverteilung zum Winter war, und dieses zeigt auch das Jahres-Notarikon: ונם עץ חיים• Allein in jener Zeit, die hinter den Ghettomauern ein Leben der Pflichttreue in der Ausübung der Thora und der geistigen Regsamkeit in der Erforschung des Gottesgesetzes zur Blüte brachte, war es nicht denkbar, dass ein jüdischer Verein nur eine Seite des sittlich־׳sozialen Lebens pflegte, dass nicht neben dem Hauptzwecke alle Zwecke gefördert wurden, die als die Säulen des sittlich-sozialen Lebens gelten: ,,עבורה, תודח יגמילות חסד Ist es denn ein Zufall, dass selbst im dunkelsten Mittelalter, wo es in den nichtjüdischen Kreisen Analphabeten in einer erdrückenden Menge gab, wo Verrohung der Sitten Strassen und Wege unsicher machten, es hinter den Ghettomauern keine Analphabeten gab, keinen gab, der nicht wenigstens am Sabbat, wenn er sich von der Bürde des wochentägigen Druckes frei wusste, nach

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