Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 219)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486269--0552-3486912- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
215 von demselben Gebrauch machte, wenngleich es sich hierbei nur um Entleimungen aus Schriften anderer handeln konnte und irgend ein besonderer Wert diesen Analogien nicht beizumessen ist1). Bemerkenswert ist nun die Stellung, die die jüdischen Kreise selbst diesem Streben nach Sprachvergleichung gegenüber einnahmen. Zu keiner Zeit hat es an solchen gefehlt, die darin ein vom religiösen, vielleicht auch vom nationalen Standpunkte aus nicht zu billigendes Vorgehen fanden und dasselbe scharf tadelten. Dies ergibt sich aus Bemerkungen schon beim Gaon Hai, ferner Juda ihn Bal’am, Jona ihn Ganäh u. a. Um derartige Angriffe zurückzuweisen, wird, namentlich vom erstgenannten, darauf hingedeutet, dass schon in den Tahnuden und Midraschim das Arabische zur Vergleichung für das Hebräische herangezogen wird2). Ob wir nun einen, wenn auch unbewusst wirkenden Reflex dieser der Sprachvergleichung feindlichen Strömung zu erblicken haben in den verschiedenen Bezeichnungen, die sich bei einigen das Arabische anführenden Autoren für diese Sprache finden‘? Denn, neben dem üblichen לשון ערבי begegnen wir auch dem Ausdruck לשון ישמעאל, womit wohl auf die Trennung zwischen Isaak und Ismael hingewiesen werden soll, ferner dem noch bezeichnenderen לשון קדר , das auf die Spannung zwischen Israel und Kedar anspielt, — vergleiche besonders Ps. 120,6 — und ללשון הגרי womit die Araber als die Nachkommen der vertriebenen Magd Abrahams bezeichnet werden. Jedenfalls aber setzten sich die Einsichtigen über derartige kleinliche Bedenken hinweg und machten zum teil ausgedehnten Gebrauch von der reichen Fundgrube, die sich in dem Sprachschatz des Arabischen ihnen bot, wobei sie auch vielfach auf die für die Wortkunde sehr wuchtigen arabischen Dichter sich beriefen, deren Verse sie 1j Hierüber habe ich eingehend gehandelt in einer in der Revue des Etudes juives erschienenen Arbeit: Les comparaisons de Fhebreu avec l’arabe chez les exegetes du Nord de la France, auch separat bei Durlacher, Paris 1903• 2) Ausführlicheres hierüber in den Vorbemerkungen zu Joseph Kimhis hebräisch—arabischer Sprachvergleichung, in meinen Studien über Joseph Kimhi, Monatsschrift Jahrgang XL1 p. 120.