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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 215

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 215)
Language
German
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211 lieber das ausgebreitete Institut der Heiratsvermittler finden sieh auch Angaben; so die Bemerkung, dass überall die Gepflogenheit bestehe, dem Heiratsvermittler mehr zu geben, als ihm eigentlich der aufgewendeten Mühe nach zukomme (No. 28). Eine eingehende Betrachtung widmet R. Joel der Frage, worauf sich die Sitte gründe, das Maarivgebet schon lange, manchmal drei Stunden, vor dem Eintritt der Nacht zu verrichten (No. 126). Die Kunde von den freigeistigen Bestrebungen in Amsterdam, die an den Namen Uriel Acosta erinnern, scheint auch bis nach Polen gedrungen zu sein. R. Joel erwähnt (in No. 4) eine Klage von drei Amsterdamer Rabbinern, die an ihn gelangt sei. Sie berichten über einen Arzt, der sich über die agadischen Stellen des Talmuds und über die Kabbala lustig gemacht und geäussert habe, nur die Philosophie hätte einen Wert und ihr allein müsse man folgen. Er habe ferner als Vorsteher einem völlig unwissenden Manne das Schächtamt übertragen, und als sich seine Unwissenheit herausstellte und ihm seitens der Rabbiner die Befugnis zum Schächten entzogen wurde, habe sich jener Vorsteher widersetzt und durch die Erklärung, dass er die V7erantwortung übernehme, auch andere veranlasst, der Anordnung der Rabbiner zuwiderzuhandeln. R. Joel geisselt das Verhalten des Mannes mit scharfen Worten, will aber den Bann nicht über ihn aussprechen, ehe ihm Gelegenheit zu seiner Verteidigung gegeben worden wäre. Die letztere Anfrage zeigt, wie weit der Ruf des R. Joel, der damals noch nicht in der grossen Gemeinde Krakau, sondern in Brzezc lebte, bereits gedrungen war. Sie zeigt aber auch, wie dieses System der religionsgesetzlichen Anfragen eine Brücke schlug zwischen der jüdischen Bevölkerung von Ländern, die nicht nur räumlich weit von einander getrennt, sondern auch in ihren Verhältnissen gänzlich verschieden waren. Das einigende Band zwischen den zersprengten Gliedern des Volksorganismus war und blieb eben immer die Thora.

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