Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 204)
- Language
- German
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200 messen des Volkes überlassen war, einen König zu fordern, so musste ihnen dies doch vor Eroberung des Landes erst recht gestattet sein. Die Auffassung Abrabanels trifft aber vor allem der Vorwurf. dass sie die von Maimonides kodifizierte Ansicht unserer Weisen, wonach die Errichtung des Königtums in Israel ein Gebot ist, ganz achtlos verwirft. Der Auffassung der Bibelstelle, als hätte sie nur für den Eventualfall die Ausführungsbestimmungen (reffen wollen, spricht das kategorische שרם תשים עליך מלך das Todesurteil; in dieser energischen Form spricht die Thora nur allgemeingiltige Vorschriften aus. Und wenn sich Abrabanel zur Stütze seiner Ansicht auf die Vorschriften über יפת תואר (V. Mos. 21, 10 ff.) beruft, welche dem Soldaten im Felde unter erschwerenden Umständen den geschlechtlichen Verkehr mit einer Heidin wohl gestatten, aber sicherlich nichts weniger als gebieten, so hinkt dieser Vergleich doch nur allzusehr. Wenn unsere heilige Thora in ihrer tiefgründigen Kenntnis des Menschenherzens und seiner Instinkte dem Krieger im Feldlager, um den von Blutgeruch und Zerstörungsraserei ohnedies aus dem Gleichgewicht Gebrachten vor schwererem Falle zu schützen, eine sonst verbotene Handlung gestattet, und ihn so vor dem vorsätzlichen Unrechttun bewahrt, so wird jeder Einsichtige das feine pädagogische Empfinden dieses Gebots nur bewundern können. Dieselbe Rücksichtnahme einem ganzen Volke gegenüber bei Lösung einer Verfassungsfrage zu betätigen, charakterisiert sich dagegen״ geradezu als Lächerlichkeit. Dass ein ganzes Volk urplötzlich von dem יצר הרע der Leidenschaft, ausgerechnet einen König haben zu wollen, befallen würde, noch dazu ohne eine bestimmte Personlichkeit von vornherein im Auge zu haben, das wäre ein so unglaubliches Vorkommnis, dass ihm die Thora gewiss nicht so eingehende Behandlung zu teil werden liesse. Beachtet man endlich in Samuels Strafrede jene Stelle, in der er selbst die Furcht vor dem herannahenden Feinde und den Wunsch in geschlossener Einheit ihm entgegenzutreten, als Vater des Verlangens nach dem Könige bezeichnet, so scheint der Ansicht Abrabanels vollends der Boden entzogen. Samuel würdigt darin die wahren Motive des Volkswunsches weit richtiger als Abrabanel und macht ihnen lediglich ihre Undankbarkeit gegen Gott zum Vorwurf. ״Ist doch der Ewige euer Gott euer König!“