Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 203)
- Language
- German
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199 erkennen. Von vornherein darf und muss man aber derselben schon darum Skepsis entgegenbringen, weil sie sicher ab irato geführt wird. Man vergegenwärtige sich nur kurz die Lebens- Schicksale Abrabanels: Unter Affonso V als Diplomat und Minister gefeiert und der mächtigste Mann im Staate, ward er von Joäo II, sofort nach dessen Regierungsantritt, nicht nur aus Amt und Würden verdrängt, sondern auch all seines Habs und Guts beraubt, ja, mit knapper Not vermochte er das nackte Leben zu retten. Und alles dieses, trotzdem seine ganze amtliehe Wirksamkeit, sein ganzes bisheriges Leben, offen vor aller Augen lag und kein Makel, kein Unrecht oder Vorwurf an ihm haftete. Nahmen doch selbst die t allerkatholischsten Könige“ Fernando und Isabella von Castilien ihn mit Freuden in ihrem Lande auf und vertrauten seinem staatsmännischen Geschicke die Leitung der Finanzen ihres Landes an! Und übersah er dazu all die Leiden und unmenschlichen Hoheiten, welche von den Regierenden über sein Haus, seine Familie, seine Glaubensgemeinde allerorten mit sich überbietendem Raffinement ausgedacht und ausgeführt wurden, so ist es nicht mehr als selbstverstündlich, dass diese Erfahrungen auf seine staatsrechtlichen Anschauungen abfärbten. Gerade in dieser Zeit aber entstand, wie er selbst in der Vorrede angibt, sein Commentar zu den Büchern Samuelis, in dem er die oben skizzierten Anschauungen niederlegt. So erklärlich hierdurch seine Verbitterung und Antipathie gegen die Institution des Königtums wird, so leidet hierunter doch die Ruhe seiner Petrachtling und damit die Richtigkeit seiner Beweisführung. Noch eine Frage sei hier nachgetragen, die von allen Exegeten unberücksichtigt geblieben ist und, wie dargetan werden soll, doch von weittragendster Bedeutung für die Sache ist. Warum wird von der Thora an die eventuelle Einsetzung eines Königs die Bedingung geknüpft, dass zuvor das Land vollständig in Besitz genommen, verteilt und bewohnt sein muss? Denn darüber, dass die Worte V. Mos. 17, 14 (וירשתה וישבת בה) gerade diesen Sinn haben, kann nach feststehender traditioneller Auffassung kein Zweifel sein. Abrabanel sucht auf diese Worte sein Axiom zu stützen, dass ein König zur Eroberung nicht nötig sei; gelöst ist damit die Frage aber nicht. Denn wenn es dem Er-