Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 202)
- Language
- German
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198 und Strenge. Für keinen dieser Zwecke braucht Israel einen König. Sein oberster Kriegsherr war Gott; denn so spricht Moscheh kurz vor seinem Tode: ״Heil dir, Israel, wer ist gleich dir, Volk im Heil durch Gott, den Schild deines Beistandes, und der das Schwert ist deiner Hoheit“ (V. Mos. 33,29). Ueberdies hatte Israel ja jedesmal, wenn es nottat, einen שופט gefunden, der durch seine Feldherrneigenschaft hervorragle. Ebensowenig bedarf Israel eines Gesetzgebers; denn sein Rechtsleben ist zur höchsten Vollendung durch Thora und Tradition geregelt. Es heisst ja auch ausdrücklich in der Thora: ״Ihr sollt nichts hinzufügen und nichts verringern von der Lehre, die ich euch gebe.“ Und von dem supponierten Könige heisst es: ״Dass er in nichts abweiche von dem Gebote rechts oder links“ (V. Mos. 18,20). Und endlich auch die Pflege des Strafvollzugs gehörte nicht zu den Funktionen des Königs, sondern lag in den Händen der ordentlichen Gerichte, und mit Vorbedacht sind ihnen diese Aufgaben gerade in dem Kapitel zugewiesen, welches der von der Einsetzung eines Königs handelnden Stelle vorangeht.a —Aus allen diesen Gründen kommt Abrabanel zu dem Ergebnisse, dass alle früheren Exegeten irrten, als sie die Einsetzung eines Königs in Israel für ein Gebot ansahen. Die betreffende Bibelstelle sei hypothetisch aufzufassen und besage nur, dass, wenn Israel durchaus einen König wolle, Gott es nicht verbiete, vorausgesetzt, dass dies und das dabei beobachtet wird. Es kann nicht bestritten werden, dass bei dieser Auffassung die oben aufgeworfenen Fragen sich erledigen. Warum sich Israel nicht schon früher einen König gab? — nun, einfach deshalb, weil sie bis dahin dahin keinerlei Verlangen nach solchem problematischem Besitz verspürten. Und ebenso erklärlich ist danach die Entrüstung Samuels und der Tadel Gottes gegen das Volk. Denn Israel hatte ja nicht die geringste Veranlassung, ein Königtum, und wäre es selbst das konstitutionellste, zu errichten. — Rechnet man hierzu die glanzvolle Kunst der Dialektik, über die Abrabanel verfügt, den Schwung und die Wucht seiner Sprache und die geschickte Verwertung anerkannter philosophischer Wahrheiten und geschichtlicher Erfahrungen im Dienste der Sache, die er verficht, so ist es schwer, seiner Beweisführung zu widerstehen und den Grundfehler in derselben zu