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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1904-01-01 · II. 1904 - 5665 (1904) · page 201

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
II. 1904 - 5665 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 201)
Language
German
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deruni trügerisch ist. Denn bei der Erziehung, welche Thronerben gemessen, und unter dem Einflüsse der Umgebung, in der sie leben, nehmen sie meistens die Lebens׳ und Pflichtauffassung ihrer Vorgänger in sich auf. Aber wozu philosophieren, wo die Tatsachen so unzweideutig sprechen?! Gab es jemals ein grös. seres Staatswesen als die römische Republik? Nun, selbst die ärgsten Dictatoren wagten nicht in das Privatrecht der Bürger einzugreifen. Als Republik ward Rom «las Haupt der Welt, das Muster und die Meisterin der Civilisation. Was ist dagegen aus Rom geworden, seitdem es ein Kaiserreich wurde? Seit dessen Beginn trug es den Todeskeim in sich und nur, weil Völker überhaupt langsam sterben und besonders so lebensstarke wie Rom, dauerte sein Siechtum Jahrhunderte, bis es doch zur vollen Auflösung kam. ״Blicket hin“ so ruft Abrabanel seinen Lesern zu, ״auf den Zustand der herrlichen, kleinen Republiken Italias! Da ist die Venetia, die mit ihrem kleinen Gebiet doch die Meere beherrscht. Neben ihr blühen Florenz, Genua u. v. a. Da waltet Gesetz und Recht, dort gibt es keine Willkür oder Tyrannei, dort blüht Kunst und Wissenschaft, und die Meeresherrschaft, die sie tyrannischen Machthabern abgerungen, liefert ihnen Reichtum und Wohlstand.u So durchblättert Abrabanel die ganze Geschichte, die ja Beispiele genug liefert von tyrannischemMissbrauch und republikanischer Gesetzlichkeit, und kommt danach zu dem Schlüsse, dass die Monarchie keine Staatsnotwendigkeit sei, dass die Menschen sich niemals freiwillig einen König gaben, sondern nur zeitweilig die Schwächeren Anlehnung und Schutz bei einem Stärkeren suchten. Diese haben es dann verstanden ihr Uebergewicht in Permanenz zu erklären, ihr Beispiel fand Nachahmung, und so verbreitete sich das Königtum als Staatsform über die ganze Erde. Nunmehr geht Abrabanel zu den Zuständen in Israel über. ״Selbst wenn ich zugeben wollte,“ so sagt er, ״dass ein König unter Umständen von Nutzen sein kann, so nie in Israel. Denn diejenigen, die die Notwendigkeit des König׳ tums behaupten, nehmen für dasselbe folgende Aufgaben in Anspruch: 1) den Schutz des Landes durch Leitung des Heeres־ 2) die Schaffung gesetzlicher Zustände durch weise Gesetze und Verordnungen; 3) Förderung der guten Instinkte durch Belohnung und Aufmunterung und Unterdrückung des Bösen durch Strafen

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