Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 199)
- Language
- German
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195 Torheit des Volkes in der ganzen Breite ihrer möglichen ( on- Sequenzen schilderte! Don Isak Abrabanel hat sich denn auch diese Beweisführung nicht entgehen lassen. Mit satirischer Schärfe spottet er über den ihm nur allzu verächtlich erscheinenden Gegner, dem er Mangel an philosophischen Kenntnissen nachweist, während Paulus Burgensis in seiner neuen Glaubensgenossenschaft nicht nur als grosses Kirchenlicht, sondern auch als geistreicher Philosoph galt. ״Ich kann nicht begreifen,a ruft Abrabanel aus, ״wie der geistreiche Kenner der griechischen Philosophie und Literatur eine der wichtigsten Thesen des Aristoteles hat übersehen können. Diese lautet: Es ist kein Zweifel, dass jede tyrannische Gewalt, jede unbedingte Selbstherrschaft eine usurpierte ist. Denn kein Mensch, mit oder ohne Kultur, wird sich freiwillig einem andern Menschen, und wäre er ihm noch so überlegen, bis zur Willenlosigkeit unterordnen. Jede solche Gewalt hat sich mit der Zeit entwickelt, indem die Machthaber ihre anfangs beschränkte Macht dazu benützten sie zu erweitern, und so Schritt für Schritt Mittel gewannen, ihrem letzten Ziele näher zu kommen, ihre Untertanen zu ihrem Eigentum herabzudrücken, das nur ihretwegen existierte. Dabei vergassen sie, dass man ursprünglich ihnen die Macht nur im Interesse der Untertanen anvertraut hatte. Diese traurige Erscheinung sei in der Natur des Menschen begründet, und darum äusserste Vorsicht bei Erteilung einer Gewalt an Menschen geboten. So weit Aristoteles. ״Wie wäre esu, so fragt nun Abrabanel, ״denkbar, dass Israel sich durchaus einen König in Gestalt eines Tyrannen gegen den Willen Gottes und des Propheten gewünscht haben sollte?! .Alle diese Irrtümer“, so fährt er fort, ״sind daher entstanden, weil alle Exegeten von der Ansicht ausgingen, dass ein König unbedingt für ein Staatswesen notwendig sei, und weil sie ferner an der falschen Voraussetzung haften, dass die Einsetzung eines Königs göttliches Gebot war. Beides ist falsch. Gewiss haben schon im Altertum grosse Denker den Satz aufgestellt, kein Staat sei ohne König denkbar, der König sei im Staatsleben das, was das Herz im Organismus, und wie im Herzen sich das ganze Leben concentriere, und wiederum von ihm aus dem ganzen Körper das Lebenselement zugeführt werde, so sei auch im Könige das Leben und Wesen des Staates ver-