Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 198)
- Language
- German
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194 rum hier angeführt sei, weil sie einem der geistvollsten jüdischen Exegeten, Don Isak Abrabanel Gelegenheit zu einer treffenden Ausführung gibt. Paulus Burgensis unterscheidet zwischen der constitutioneilen Monarchie, in der auch der Herrscher unter dem Gesetze steht, und der absoluten Autokratie, in welcher der König nicht nur unumschränkter Herr sei, sondern auch ausserhalb des Gesetzes stehe und wo als suprema lex regis voluntas gelte. Ein solcher König sei ein Unglück für sein Land; jener dagegen könne das Heil seiner Untertanen fördern. Israel aber habe gerade einen König von absolutem Charakter verlangt; sei es, weil er grösseren Glanz zu entfalten imstande wäre, sei es, weil einzelne Parteiführer ihrer Persönlichkeit in der Autokratie leichter Geltung zu verschaffen hofften, als in dem geregelten Getriebe eines auf gesicherter Kechtsgrundlage aufgebauten Staatswesens. Damit aber habe Israel gesündigt gegen den Geist des Gottesgesetzes, welches naturgemäss nur einen constitutionellen Herrscher im Auge hatte. In längeren, philosopbischen Betrachtungen und durch Belege aus den Propheten sucht Paulus Burgensis diese Meinung zu stützen; aber nicht eben überzeugend. Schon der ganze Gedankengang des Kapitels spricht gegen ihn. Nirgends ist weder in den Worten Gottes noch in der Strafpredigt Samuels ein Hinweis auf eine be stimmte Art des Königstums enthalten, sondern diese Aussprüche richten sich gegen die Institution überhaupt. So sagt Gott zu Samuel: ,.Nicht dich haben sie hintergangen, sondern mich“; und Samuel sagt zum Volke: Ihr saget: nein, sondern ein König soll über uns regieren, wo doch der Ewige euer Gott euer König ist“. (Kap. 12,12.) Und weiter: ״Und wisset und sehet, dass gross ist das Unrecht, welches ihr getan in den Augen des Ewigen, da ihr für Euch einen König fordert.“ Nirgends ein Hinweis auf den Fluch des absoluten Königtums. Ueberdies erscheint die Vorstellung geradezu absurd, als habe das ganze Volk so unter dem Einflüsse einzelner Häuptlinge gestanden, um das Unvernünftigste zu fordern, einen autokratischen Herrscher. Und wenn Samuel ihm in den düstersten Tönen das Schreckbild eines solchen Königs zeichnet, so darf daraus doch nicht geschlossen werden, dass das Volk danach Verlangen getragen habe. Von seinem Standpunkte aus war es nur folgerichtig, wenn der Prophet die