Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 197)
- Language
- German
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193 dienten, so tun sie auch dir/ Allein, demgegenüber muss darauf hingewiesen werden, dass das Volk für seine Forderung geradezu die Worte des Pentateuchs gewählt hatte (V. 5), und die Tat- Sache, dass sie von Samuel die Erfüllung ihres Wunsches erbaten und erwarteten, schliesst vollends die Annahme einer götzendienerischen Absicht aus. Das Wort Gottes an Samuel aber kann und muss zwanglos doch wohl so ausgelegt werden, dass es Samuel über den Undank des Volkes mit dem Hinweise hinwegtrösten solle, dass Israel selbst gegen Gott, und sogar noch undankbarer gehandelt habe. Ueberdies lässt diese Ansicht die Frage, warum Israel mit der Erfüllung des göttlichen Gebotes so lange gewertet habe, gänzlich unbeantwortet. Und unter demselben Mangel leidet auch eine zweite Auffassung, zu der auch Maimonides sich bekennt. Sie hört aus den von dem Volke gesprochenen Worten ״ גם אנחנוauch wir“ den leisen Unterton eines auf die Aeusserlichkeiten des monarchischen Gepränges gerichteten Sinnes heraus; nur um anderen Völkern an Pracht und Prunkentfaltung nicht nachzustehen, um sich eine geachtete Stellung im Völkerkonzert zu erringen, sei es Israel zu tun gewesen, und dies habe Samuel als eine Herabsetzung seiner Wirkungsart bitter empfunden. Allein, abgesehen davon, dass, wie bereits gesagt, jenes Bedenken auch dieser Lösung entgegensteht, ist auch die Farbennüance zwischen den Worten des Pentateuchs ״wie alle Völker um mich her“ und unserer Stelle zu gering, um auf sie allein den ganzen Vorwurf und Tadel zu gründen. Eine dritte Ansicht rügt das Wort לשפטנו ,am uns zu riehten“ als ungehörig. Denn nach jüdischer Rechtsautfassung־ war keineswegs der König ipso jure oberster Richter, sondern nur Wächter des Gesetzes. Die Richtigkeit dieser Beobachtung darf ohne Weiteres zugestanden werden; aber sie reicht ebensowenig wie die obigen Auffassungen aus, um auch nur einen Teil der Schwierigkeiten zu beheben. Auch der berüchtigte Apostat Paulus Burgensis, dessen Name als eines der feigsten und tückischsten Verfolger Israels für alle Zeiten mit dem Fluche seiner ehemaligen Glaubensbrüder, auf die er Schmach und Leid gehäuft, behaftet bleiben wird, hat eine Erklärung unserer Stelle gegeben, die schon da- 13