Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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95 manuskript stammt aus einer Zeit, die nicht weit vor der ersten Drucklegung־ des Talmuds liegt — als den Urtext des Talmuds anznsehen. Das ist aber in keinem Falle zuzugeben. Abgesehen davon, dass die Gelehrten, welche sich mit der Feststellung des ursprünglichen Talmudtextes beschäftigen, als Maharschal, Maharscha, Maharani Lublin, weit ältere und gediegenere Manuskripte als Rabbinowitz besassen — sogar auch noch Manuskripte von Raschi und Tossafot, die wir überhaupt nicht haben — muss man wissen, dass es sehr leicht möglich ist, dass selbst ohne den höheren Wert unseres Textes der Text des Manuskriptes des Dikduke Sofrim an und für sich bei Abweichung von unserem Texte eine irrtümliche Redigierung enthält. Kein Geringerer als Rabbenu Tarn weist schon in der Einleitung zu seinem Sefer Hajaschar in den Worten, die er an seinen Bruder Raschbam richtet, darauf hin: ושרא ליה מריה לרביגו שמואל אחי כי על אחת שהגיה רבינו שלמה הגיה הוא עשרים ובו' וראייתו במקומות בספרים ישגים ואיגה ראיה, כי גם בספרים ישנים אכתוב לך בזה הספר אשר חסרו מאשר לפנינו וקודמי קדומים ישנים מיושנים לא יעידום. Wir sehen also, dass schon Rabbenu Tarn zu seiner Zeit davor warnte, sich auf alte Manuskripte gegenüber dem allgemein verbreiteten Texte zu verlassen, denn jene seien redigiert, während in ganz alten Manuskripten der Text mit dem allgemein verbreiteten übereinstimme. Wenn Rabbenu Tarn dies gegenüber Manuskripten betont, die schon zu seiner Zeit alt waren, die also wenigstens aus der Zeit der Geonim stammten, um wie viel mehr gilt dies von den Manuskripten im Dikduke Sofrim, die beinahe 200 Jahre hinter der Zeit des Rabbenu Tarn liegen. Worauf es bei Varianten ausschliesslich ankommt, ist, wie wir es bereits betonten und auch im Verlaufe unserer Abhandlung bei einzelnen Beispielen noch dartun werden, die Forschung. Gebührt schon unserem Texte der Vorzug, wenn er auf keine Schwierigkeiten stösst, umsomehr, wenn er sowohl an Ort und Stelle selbst, als auch durch Eruierung der ganzen Sache, von welcher er einen Teil bildet, seine Stütze findet. Wir gehen nach diesen allgemeinen Bemerkungen zu den Einwendungen über, welche Bacher im einzelnen macht, und welche, wie wir bereits ausführten, mehr Verteidigungen seiner