Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3486266-3486269--0426-3486786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
89 den betr. Abschnitt seines Werkes mit der Ueberschrilt: Babbi Jehuda Hanassi, geb. 150, gest. 219. Da aber jeder einigermassen mit der Geschichte Vertraute weiss, dass Marc Aurel schon im Jahre 180 starb, so fallen selbst nach Grätz die Hauptjahre Rabbis in die Zeit der Nachfolger Marc Aurels. Wie recht hat Halevy, wenn er darauf die Worte anwendet: ,,Das ist ein gebahnter und leicht gangbarer Weg für jeden, dem ״die Zeitenfolge und der Inhalt der Ereignisse gleichgültig sind. ״Grätz aber dürfte in Bezug auf diese Forschung zur Stelle nicht ״sagen: ״Die Freundschaft R. Jehudas mit diesem Kaiser hat ״demnach keinen geschichtlichen Anhaltspunkt.1‘ Oder auf S. 31 des Dor.-Har. Frankel irrt in der einzigen chronologischen Forschung seines Mebo Hajruschalmi betr. R. Jehuda Nessia I und II derart, dass nach seinen Darlegungen R. Jehuda Nessia I 113 Jahre die Patriarchenwürde bekleidet haben muss. Sind nicht auch da die Worte Halevys vollberechtigt: ״In der Geschichtsschreibung muss es als Hauptregel gelten, ״dass derjenige, welcher die Ereignisse wahrheitsgetreu dar- ״stellen will, ausser den Beweisen, die er von aussen er- ״bringt, auch darauf sein Augenmerk richten muss, ob die ״Darstellung der Ereignisse dem naturgemässen Gange der ״Dinge entspreche. Aber die jüdischen Geschichtsschreiber ״glaubten, dass sie es nicht nötig hätten, weder mit der ״Sache selbst noch mit dem natürlichen Gange derselben ״zu rechnen. ״Leicht war es Frankel zu entscheiden, dass R. Jehuda ״Nessia 1 im Jahre 4073 313 starb; leicht war es auch ״Weiss, sich auf dessen Worte zu stützen und ebenso zu ent- ״scheiden, um dadurch eine grosse Zeitperiode in Verwirrung ״zu hüllen und sie mit Hohn und Verachtung zu überschütten. ״Aber fragten sie sich denn, wann R. Jehuda Nessia Ober- ״haupt wurde? ״Hätten sie sich das gefragt, so müsste selbst nach ihnen ״R. Jehuda Nessia etwa 3960 200 Oberhaupt geworden sein, ״also 113 Jahre die Patriarchenwürde bekleidet haben. Ist es ״möglich etwas derartiges anzunehmen und der Geschichte ein- ״zuverleiben?“