Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3486266-3486269--0424-3486784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 melname für die Repräsentanten der modernen jüdischen Wissenschaft) nichts wert seien, und dass die Geschichte des Judentums, hauptsächlich während der talmudischen Periode, in einer neuen und exakteren Weise dargestellt werden muss. Zu dem Zwecke müsse man die talmudische Literatur besser und tiefer, als man es getan habe, kennen und benutzen . . Auf diese Ausführungen Bachers ist das, was wir aus der Bachersclien Rezension bezüglich der positiven Resultate und der Kritik des Doroth-Harischonim oben zitiert haben, allein schon eine vollkommene Antwort. Aber weil diese Vorwürfe nicht nur Bacher, sondern mit ihm fast die ganze Schule, der Bacher angehört, dem Werk Halevys machen, trotzdem sie die ganze geniale Grösse des Verfassers anerkennen, wollen wir ihnen einmal eine gründlichere, ausführliche Besprechung zu teil werden lassen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass jeder Mensch irren kann und muss, und dass vereinzelte Fehler, welche sich in einem Werke vorfinden, weder das Wissen und die Kraft des Autors, noch die Bedeutung seines Werkes beeinträchtigen. Wenn aber diese Fehler sich auf Schritt und Tritt vorfinden, wenn sie nicht nur Einzelheiten in der Beweisfiihrung, sondern die Behauptungen in ihrer Gesamtheit betreffen, wenn es sich nicht um einzelne, mehr oder weniger nebensächliche Fragen handelt, sondern um Fragen, welche aufgeworfen und beantwortet werden, um vermittels ihrer eine Grundlage in der Wissenschaft zu schaffen, dann ist es etwas anderes. Aber noch mehr. Jene Gelehrten, deren Werke Bacher die bedeutendste Errungenschaft des neunzehnten Jahrhunderts nennt, haben, wie Halevy es dartut, nicht nur in der oben angegebenen Weise gefehlt, sondern sie haben durch die Art ihrer Fehler, durch die Widersprüche an Ort und Stelle gezeigt, dass sie niemals ernstlich in den Gegenstand eingedrungen sind, und keineswegs die Kraft besassen, welche sie berechtigte, den Tenor ihrer Werke derart zu halten, dass er sie als Begründer und nicht als Anfänger in der jüdischen Wissenschaft hinstellte. Was soll man z. B. dazu sagen, dass über eine einzige Frage, über Antoninus und Rabbi, über welche bisher zahlreiche Aufsätze in Zeitschriften und Broschüren, ja ganze Werke verfasst wurden, alle Gelehrten, Rappoport an der Spitze und ihm alle anderen folgend, deshalb fehl gingen, weil sie, wie Halevy zu Beginn seines Werkes dartut, von der Existenz eines ganzen Ge-