Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- II. 1904 - 5665 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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35 R. Lemil aus Glogau Rabbiner war16), um in dem nahe gelegenen, damals wohl geistig regsameren Mattersdorf zu Füssen des R. Nathan Nata17) seinen Durst nach höherer Bildung zu stillen. Der geweckte Jüngling zeichnete sich hier bald aus durch ein phänomenales Gedächtnis, das ״einer wohl vertünchten Kalkgrübe glich, die keinen Tropfen durchlässt,“ eine rasche Auffassung, einen das Kleinste analysierenden, zu streng logischem Denken reifenden Scharfsinn, durch eine Lust und Liebe zu ausdauerndem Forschen, die nicht nur ״die Fittige zu grossen Taten״ wurde, sondern auch seiner überaus zarten und schwächlichen, oft kränklichen Körperkonstitution einegeradezu unbegreifliche Schwungkraft lieh und Herrin der drückendsten Schmerzen wurde 18). Zu diesen Geistesgaben gesellte sich ein tief frommes, rührend bescheidenes, fast schüchternes, mitleidiges und menschenfreundliches Wesen. Die raschen Fortschritte und reichen Geistesgaben drängten ihn aber alsbald für immer aus seinem ungarischen Heimatland, dessen Jargon er jedoch bis zu seinem Lebensende bewahrte. Als 12jähriger Jüngling schon soll er glücklich ein schwieriges, talmudisches Problem gelöst haben, an dem sein damals in Breslau weilender Oheim, R. Benjamin Wolf Eger, und seine gelehrten Freunde sich vergebens versucht hatten, wonach dieser nicht eher ruhte, bis Akiba um 1774 mit Einwilligung seiner Eltern nach Breslau zu weiterer Ausbildung kam. Hier, in der Hauptstadt des von dem grossen Preussenkönig heldenmütig erkämpften Schlesiens, fand der wissensdurstige Knabe fruchtbare Anregung und mannigfache Förderung. An der Spitze der damals noch meist polnischen, dem gleichzeitigen, grossartigen Aufschwung des deutschen Geisteslebens noch fernstehenden Gemeinde stand seit 1754 der aus Polen eingewanderte, hochgelehrte R.Jizckak Joseph ben Chajim Jonah Teomim(Fränkel)19), dessen 16) Vgl. 1שו״ח נו״ב zuiV Nr. 19 und 11 99 ,36 או״ח u. 100, 37. אה״ע. 17) S. Waiden שם הגדולים החדש sub verbo und S. Sofer a. a- O. 18) Es will gewiss viel sagen, wenn der jedem Lob abholde Akiba E selbst auf seinem Grabstein verewigt wissen wollte, das er von seinem 15. Lebensjahre mit Schülern בייסורים קשים gelernt habe.!9) S. 11 שו״ח נו׳ ב zu 109 יו״ר und 44 אה ע. — Ein treffendes und an׳ schauliches Bild der damaligen Kulturzustände innerhalb der Breslauer Ge׳ meinde hat Honigmann in ״Berel Grenadier“, zum teil auch B. Auerbach in ״Dichter und Kaufmann“ entworfen.