Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 280)
- Language
- German
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274 dass er von sich sagen konnte, er habe keinen ebenbürtigen Gelehrten in Palästina zurückgelassen1). Deshalb konnte er es auch unternehmen, selbständig Schaltjahre einzufügen und so die Festtage nach seinen Bestimmungen festzusetzen. Nach der geltenden Norm durfte nämlich die Einsetzung eines Schaltjahres, die natürlich für ganz Israel bindend und für die Gesamtheit von der grössten Bedeutung war, nur in Judäa proklamiert werden2). Eine Ausnahme von dieser Regel war nur gestattet, wenn äussere Verhältnisse die Verkündigung in Palästina unmöglich machten3), oder wenn die massgebenden Gelehrten sich im Auslande befauden4). So war R. Akiba im Aufträge des damaligen Fürsten R. Gamliel nach Nehardea gegangen, um dort die Ein- Setzung des Schaltjahres zu vollziehen5). Rabbi Akiba muss sich später zur Zeit der mit dem Bar Kochba’schen Aufstand zusammenhängenden Kriegswirren zu demselben Zwecke nochmals nach dem Ausland begeben haben; auf dieses Ereignis wird nämlich im Talmud (Berachot 63) angespielt, wenn von R. Akiba gesagt wird, er habe keinen ebenbürtigen Gelehrten in Palästina zurückgelassen und habe deshalb das Recht gehabt, im Ausland das Schaltjahr zu proklamieren. Diese Bestimmungen nun werfen ein Licht auf jene oben erwähnte Begebenheit, die im Talmud Babli (a. a. 0.) in etwas dunkler Form mitgeteilt wird und deren Ergänzung uns der Jeruschalmi bietet. Im Babli heisst es nämlich: Chananja, der Brudersohn des R. Josua, traf Schaltjahr- und Neumondsbestimmungen ausserhalb Palästinas. Da sandte man zwei Gelehrte zu ihm, R. Jose, Sohn Kipper, und den Enkel des R. Secharja, Sohn Kebutal. Als er ihrer ansichtig wurde, fragte er sie: ״Zu welchem Zweck seid ihr gekommen?“ Sie antworteten: ״Um Thora zu lernen.“ Da liess er bekannt machen: ״Diese Leute sind hervorragende Männer, und ihre Vorfahren haben im heiligen Tempel den Dienst verrichtet.“ Sie aber fingen an, seinen Entscheidungen zu widersprechen; wenn er für rein erklärte, so erklärten sie für unrein, wenn er für verboten erklärte, so erlaubten sie. Da liess er bekannt machen: ״Diese Leute sind unwürdig und verdienen keine Beachtung.“ Aber man sagte ihm: ״Du kannst nichtniederreissen, x) Berachot 63. 2) Sanhedrin 11. 3) Jerusch. Sanhedrin I, 2. *) Berachot 63. 5) Jebamot 122.