Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- (I.) 1903 - 5664 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 279)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486267--0279-3486638- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
278 In der Mischna wird von den babylonischen Tannaiten R. Nathan erwähnt. (Berachot a. E.) Er nahm schon in Babylonien eine angesehene Stellung als Richter ein, wanderte aber später nach Palästina aus, wo er Ab-Beth-Din wurdei)• Er scheint zur Zeit seiner Auswanderung noch jung an Jahren gewesen zu sein2). In der Mischna wird er nur an zwei Stellen erwähnt3), dagegen erscheint er als Tradent wichtiger Halachot in verschiedenen Baraitas4). Besonders wird seine Vertrautheit mit den Rechts- Vorschriften gerühmt5). Auch mit mathematischen und astronomischen Studien scheint er sich viel beschäftigt zu haben. Ihm wird die verloren gegangene Baraita der 49 Middot und das nach ihm benannte ״Abot des R. Nathan“ zugeschrieben. Es werden Kontroversen zwischen ihm und R. Jehuda Hannassi, auch zwischen ihm und R. Simon ben Gamliel überliefert. Während der Wirren und Verfolgungen, die der Zerstörung Betars und der Niederwerfung des Bar Kochba’schen Aufstandes folgten, lag der Schwerpunkt des geistigen und nationalen Lebens in Babylonien. Damit steht eine Begebenheit in Zusammenhang, die ebenfalls hier zu erwähnen ist und die uns auch auf den Namen eines in Babylonien ansässigen Tanna führt, R. Chananja, den Brudersohn des R. Josua. Chananja gehörte noch zu dem Geschlecht des R. Gamliel und R. .Tosua. Er scheint zweimal nach Babylonien gegangen zu sein; das erste Mal war sein Aufenthalt ein vorübergehender6), das zweite Mal liess er sich dauernd in Babylonien nieder und kam dort bald zu grossem Ansehen. So wird zu dem Schriftvers ״Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du nachstreben (V. B. M. 16, 20)“ im Talmud7) erklärend hinzugefügt: ״Wende Dich an einen ausgezeichneten Gerichtshof, so z. B. an den des Chananja, des Brudersohnes des R. Josua, in Babylonien.“ Die Männer, die den Kreis des R. Gamliel gebildet hatten, und auch ihre jüngeren Zeitgenossen waren bereits gestorben oder den römischen Henkern zum Opfer gefallen, als Chananja Palästina verliess und nach Babylonien auswanderte, so l) Horijot 13. 2) Frankel דרכי המשנה s. 189. 3) Berachot a. E. u. Schekalim, 11,5. 4) Sabbat 70, 92, 134 u. a. 5) Baba Kamma 53. 6) Sukka 20. 7) Sanhedrin 32. 18*